Bis vor ein paar Jahren hatte ich auf folgende Bemerkung „Du kannst Dich glücklich schätzen, dass Du so ein eindeutiges Talent hast und daher auch immer schon wusstest was Du willst“ immer diese eine Antwort parat: „In Wahrheit: Ein Fluch in Geschenksverpackung“. wusste ich wirklich immer was ich will? hatte ich wirklich so „eindeutiges“ Talent? 

Langer Rede kurzer Sinn: ich wusste natürlich nicht immer was ich will, war eigentlich noch in meinem Maturajahr auf „Kinderarzt“ programmiert, trotz eindeutiger musikalischer Vorgeschichte, wo ich von meinem Vater im zarten Alter von 4 Jahren bereits Akkordeonspielen lernen durfte und wir mit meiner Mutter an der Gitarre und meinem Vater an der Zither , alle singend, so richtig urige Hausmusik gemacht hatten, damals in Irdning. Aber in Wahrheit wollte ich wirklich immer Trommeln, doch die Wohnsituation meiner Eltern liess das lange nicht zu und so führte mein musikalischer Weg auf Umleitungen über Klavierlektionen und einem klassischen Fagottstudium letzten Endes zum Instrument meines Begehrens seit frühen Kindheitstagen, dem Schlagzeug.

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1985 mit Sheila Jordan & Bobby McFerrin photo © Martin Puntigam

Aber eindeutiges Talent? Ich liebe es zu Kochen, seit Kindheitstagen, immer noch, ich war graphisch und in Sachen Bildender Kunst auch nicht vollkommen ohne Talent, ich war ein ziemlich guter Schiläufer und Schilehrer in meiner Jugend, ich trage ein unverleugbares „Bauern Gen“ in mir, bin eigentlich auf einem riesen Bauernhof aufgewachsen, habe die letzten 12 Jahre sehr erfolgreich österreichische Künstler und ein Plattenlabel auf internationalem Parkett gecoacht und gemanagt, arbeite seit Jahrzehnten national sowie international sehr erfolgreich als Musikproduzent inklusive mehreren Amadeussen 😉 und Goldenen Schallplatten in Österreich und im Ausland, war in den 90ies Kulturmanager einer oststeirischen Kleinstadt, habe bis zum heutigen Tag immer wieder sehr gerne an verschiedensten Colleges, Universitäten und Konservatorien unterrichtet und mit großteils jungen Menschen zusammengearbeitet, mein Know How, meine Erfahrung und skills gernstens weitergegeben und so weiter und so fort. Alles andere als eindeutig. Und warum „Fluch in Geschenkverpackung“? weil es eben von aussen betrachtet, aus verschiedensten Perspektiven, alles sehr toll und easy cheesy aussehen mag, was es in Wahrheit nicht immer ist, obwohl zugegeben Musik meine Riesen Passion ist und ich bis zum heutigen Tage glücklich und dankbar bin, auch Musiker sein zu dürfen. Ich bin halt nicht „nur“ das.

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Also was soll das jetzt mit dem „Geschenk in Fluchverpackung“? Nun, wir kennen das sicher alle in verschiedensten Abwandlungen und Situationen: man macht Pläne, man freut sich extrem auf etwas, man rechnet mit dem einen oder anderen, man bereitet sich intensiv auf etwas vor und dann – Bammmm – das Ereignis findet schlicht und einfach nicht statt. abgesagt, verschoben, ausgefallen, aus welchen Gründen immer: canceled!

Dann ist man meistens bitter enttäuscht, zornig, wütend, entmutigt, verzagt, zweifelt an seinem Selbstwert und/oder der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns und Strebens oder am Sinn des Lebens allgemein. Ist mir sooft passiert, ein Wahnsinn: Tourneen abgesagt in letzter Minute, im guten Glauben und Vertrauen auf alle übrigen Beteiligten Projekte abgewickelt wo dann alle oder Einzelne ohne Blinken abbiegen und sich an nichts mehr erinnern können, was ursprünglich vereinbart wurde, mich bei Riesen- Immobilienprojekten voller Enthusiasmus und Idealismus engagieren um dann im Verlauf der Dinge festzustellen, dass man vorsätzlich „benutzt“ wurde, um Fördergelder und/oder Käufer zu lukrieren oder wie im Falle meiner ehemaligen US Band „Pink Inc.“ uns in letzter Minute vor einer Europatour der Saxophonist absagt und wir dann mit Delmar Brown einen genialen Keyboarder und Sänger an Bord holen, der die Tour spielt und unsere ganze Band international abheben lässt, bis zu einer 5 wöchigen Europa Tour mit George Clinton und Parliament Funkadelic.

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George Clinton & Parliament Funkadelic, the Mothership and Godfathers of Funk

Regel #1: Sofort raus aus der „Opferfalle“, am Besten überhaupt  gar nicht reingehen, Regel #2: unbedingt versuchen, den sogenannten „Fluch“ als Geschenk zu erkennen oder das Geschenk dahinter, zumindest die Tore weit dafür aufmachen, als Chance für etwas Tolleres, Grösseres, eben nicht kontrollierbares und „planbares“, weil es das Leben und das Universum einmal grundsätzlich gut mit uns allen meint und Regel #3: genau darauf blind vertrauen, die schwerste aber zugleich wertvollste Übung. Oft sind diese „Ent – Täuschungen“ wirklich grosse Geschenke, weil das Leben Besseres und Sinnvolleres mit uns vorhat oder uns möglicherweise sogar vor grossem Schaden bewahren will oder schlicht und einfach uns manchmal, wenn auch unsanft, auf unseren eigentlichen Weg zurückführen will. Es gibt meiner tiefsten Überzeugung nach tatsächlich so etwas wie Bestimmung – und es könnte gut möglich sein, dass es in unserem Leben nicht um uns und unsere Egos geht, sondern das Leben und unsere Bestimmung sich schlicht und einfach nur durch uns ausdrücken, manifestieren und leben will.

Wir sind alle mehr oder weniger grosse Kontrollfreaks, weil wir uns das weder vorstellen können noch je darüber nachgedacht haben. Wir glauben, alles kontrollieren zu müssen. Dem liegen oft verschiedenste Ängste zugrunde und die Illusion, dass wir einen Plan haben müssen, dass wir irgendetwas tatsächlich planen, mit Bestimmtheit voraussagen, vorhersehen können. Also ich persönlich kennen niemanden, und Du mit Sicherheit auch nicht, der mich je angerufen hätte und gesagt hätte: „Servus, ich bin gerade in der Zukunft“. Das „Hier und Jetzt“ ist alles, was es wirklich gibt, und immer geben wird, alles andere ist eine grosse Illusion, einschliesslich der Illusion Zeit. „Das falsche, unglückliche Selbst, das in der Identifikation mit dem Verstand begründet ist, lebt von der Zeit. Es weiß genau, dass der gegenwärtige Moment seinen eigenen Tod bedeutet, und fühlt sich natürlich von ihm bedroht. Es wird alles tun, um dich aus ihm herauszuholen. Es wird versuchen, dich in der Zeit gefangen zu halten.“ Eckhart Tolle

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the mushroom studio

Titelfoto © Max Parovsky – EastCote Studios , London

 

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