#107 „Die Stille im Auge des Orkans, in der Ritze zwischen dem „recht haben müssen“ und dem Privileg, ein Trottel sein zu dürfen“

Richtig oder Falsch. Wahrheit oder Lüge. Phantasie oder Realität. Gut oder Schlecht. Faktum oder Annahme. Wissenschaft oder Aluhut. Links oder Rechts. Tag oder Nacht. Licht oder Schatten. Kontrolle oder Laissez Faire. Wissen oder Dummheit. Schlau oder einfach zu blöd. Willkommen in der goldenen Mitte der Spaltung, willkommen in der Stille und der Ruhe der Spalte, in der Stille und Ruhe und im Frieden der Ritze zwischen den beiden Polen der Spaltung, der angeblich hoffnungslos gespaltenen Lager, einer angeblich ebenso hoffnungslos gespaltenen Gesellschaft. Willkommen im absolut ruhigen, friedlichen und stillen Auge in der Mitte und im Zentrum des Orkans. Gesellschaftliche Spaltungen nehmen zu – zwischen Alt und Jung, Stadt und Land, Analog und Digital. Die Gräben werden immer größer. Wie kann man Spaltung entgegenwirken?

die Gräben werden immer grösser…..

Ist die gesellschaftliche Mitte selbst ein Teil des Problems?

„Möglicherweise ist die nach Zusammenhalt rufende gesellschaftliche Mitte selbst ein Teil des Problems, das sie beklagt. Sie verurteilt zwar Hass im Netz, hat es aber über Jahrzehnte versäumt, dem deutschen Strafgesetzbuch auch im Internet Gültigkeit zu verschaffen. Erst in jüngster Zeit gibt es Bemühungen, Onlinehetze juristisch zu verfolgen.

Man kann nämlich auch eine andere Gesellschaftsdiagnose aufstellen. Die geht so: Wir leben in einer Zeit nie erlebter Demokratisierung der Öffentlichkeit. Jeder Mensch mit einem Internetanschluss hat die Möglichkeit, Sender zu sein, in Eigenregie Texte, Podcasts oder Videos zu veröffentlichen und somit am großen veröffentlichten Gesellschaftsgespräch teilzunehmen.

Gesellschaftsgespräch

Die demokratische Verfasstheit der Gesellschaft verteidigen

Vielleicht ist die viel beschworene Polarisierung ein Trugbild der politischen Mitte. Vielleicht sind rechtsfreie Marktplätze des Hasses und der Einzeltäterradikalisierung das Problem. Die Mitte darf nicht untätig zuschauen, wie ihr Ort im politischen Spektrum durch gezielte verbale Überschreitungen verschoben wird.

Die politische Mitte wird gestärkt, wenn sie sich geschlossen gegen die Aushöhlung demokratischer Umgangsformen zur Wehr setzt und gemeinsam die Gefahr für die Demokratie benennt: den demokratisch gewählten Rechtsradikalismus, dessen Kontakte zum rechtsextremistischen Lager belegt sind. Das Gerede von der Polarisierung unterstellt eine vergleichbare Gefahr von links, die es nicht gibt. Zahlen sagen übrigens aus, dass politisch motivierte Gewalt überwiegend von rechts ausgeübt wird.

Eine Mitte, die sich unbeteiligt gibt und sich nicht gegen das rechte Projekt erhebt, schafft sich als politische Mitte ab. Es sind nicht linke oder liberale Vorstellungen von Gerechtigkeit, die unser Gemeinwesen attackieren. Der Angriff wird geführt von Ideologen der Ungleichheit und der Ausgrenzung.“ ( Der Schriftsteller Bodo Morshäuser für Deutschlandfunk Kultur )

Ungleichheit der Ausgrenzung

„Jetzt nehmen Stimmen zu, die eine in sich zerfallene, eine gespaltene Gesellschaft für ihren aktuellen Zustand halten. Das Wahlverhalten in den Vereinigten Staaten, wo sich die Bürger in Blöcken unversöhnlich gegenüberstehen, ist dafür nur ein besonders illustrativer Fall. Regelmäßig wird hierzulande berichtet, dass die Spaltung zwischen Ost und West unüberwunden ist. Keine Woche vergeht überdies, wo sich die Wähler gleichmäßiger über das Parteienspektrum verteilen, in der nicht Zahlen zu anderen vermuteten Spaltungen vorgelegt werden. Etwa zur wachsenden Einkommensungleichheit. So gehört immer weniger Personen immer mehr: Auf gut siebzig Millionen Leuten weltweit, heißt es beispielsweise, verteilten sich zwei Drittel des Einkommenswachstums der beiden Jahrzehnte nach 1989.“ ( Jürgen Kaube, Herausgeber der FAZ, der Frankfurter allgemeinen Zeitung)

eine in sich zerfallende, gespaltene Gesellschaft

Die Corona-Krise hat viele gute Eigenschaften in den Menschen hervorgeholt. Solidarität, Hilfsbereitschaft und Empathie sind positive Begleiterscheinung der sonst so herausfordernden Zeit. Ob digital in den sozialen Medien oder analog per Aushang – die Hilfsangebote sind vielfältig und reichen von Einkaufshilfen über ehrenamtliche Tätigkeiten bis hin zum Bereitstellen der eigenen Kompetenzen für wohltätige Zwecke.

Doch obwohl in dieser schwierigen Situation viele Menschen zusammenstehen und Zivilcourage zeigen, lässt sich dennoch eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft feststellen. In vielen europäischen Ländern finden Proteste gegen die Corona-Maßnahmen statt, auch in Österreich gehen Menschen auf die Straße. Verschwörungstheorien und Falschinformationen werden mit den sogenannten sozialen Medien eine Bühne geboten. Das Hauptproblem erkennt Dr. Alexander Bogner, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie, in den Wissenskonflikten innerhalb der Gesellschaft: „Wir leben in einer Wissensgesellschaft, in der viele Konflikte als Auseinandersetzungen um das richtige Wissen ausgetragen werden. Das bedeutet: Wer an einem solchen Konflikt teilnehmen will, muss auch über profundes Know-how verfügen. Wenn man es aber nicht schafft, die eigene Position auf eine gewisse Expertise zu stützen, kann ein Ausweg darin liegen, die etablierte Faktenwelt auf den Kopf zu stellen. Das kann man im Zuge der Corona- Krise bei vielen Demonstrationen gut beobachten.“

Wissenskonflikte

„Die Studie „Umkämpfte Solidaritäten“, an der ich beteiligt war, zeigt, dass die Grundlagen für Brückenschläge zwischen den Spaltungslinien durchaus vorhanden sind. Jene können auf verschiedenste Weise unterstützt werden. Der Vorherrschaft des Leistungsprinzips, das den individuellen Markterfolg betont, könnte durch die Aufwertung des Bedarfsprinzips begegnet werden, das sozialstaatliche Leistungen aufgrund von Bedürfnissen unabhängig von zuvor erbrachten (Arbeits-)Leistungen gewährt. Einer einseitigen Fokussierung auf Unterschiede zwischen den Menschen könnte man – wie die kanadische Soziologin Michèle Lamont vorschlägt – einen „einfachen Universalismus“ entgegenhalten, der darauf fokussiert, was Menschen überall auf der Welt gemeinsam haben. Der wachsenden Kluft zwischen Reich und Arm ist mit einer entsprechenden Umverteilungspolitik beizukommen. Zu guter Letzt muss eine offene Gesellschaft daran interessiert sein, möglichst vielfältige Räume zu haben, wie zum Beispiel eine gemeinsame Schule, in denen sich unterschiedliche soziale Gruppen begegnen können. Wobei auch klar sein muss: Begegnung allein garantiert noch keine Einsichten und kein Verständnis. Aber sie wäre eine notwendige Voraussetzung dafür. „(Carina Altreiter ist Postdoc und Projektleiterin am Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung an der Wirtschaftsuniversität Wien.)

einfacher Universalismus

Ich bin dem Schicksal tagtäglich unendlich dankbar, dass es mich von der Bürde und Last einer der derzeit wohl grössten globalen Spaltungsmaschinerien namens Fakebook ein für allemal befreit hat, für den dadurch gewonnenen, Meinungsfreien und lebensbejahenden Raum zur weiteren Entfaltung meines kreativen Schaffens und meines intuitiven Seins, in einem Leben in möglichst grossem Einklang mit mir, meinem essentiellen Selbst und damit den Liebsten, der engeren und erweiterten Familie, den soulbrothers und soulsisters, den inspirierenden, beschützenden, wegweisenden und helfenden Engeln, die mir das Leben tagtäglich mit all seinen Herausforderungen, Chancen, oft in zu überwindenden Hürden versteckten Perlen und den Geschenken in Fluchverpackung auf mein fettes Lebenskonto überweist. Mit Meinungen, egal welchen und egal worüber oder wozu, hat auf jeden Fall noch nie jemand die Welt verändert.

Lebenskonto

Vor kurzen musste ich fluchtartig ein Gespräch mit einem mir wirklich über die Jahre lieb gewonnenen Bekannten verlassen, als mir dieser versucht hatte, den sinnlosen Scheiss mit den Masken anhand eines Videos, welches er im internet gesehen hatte, an den Kopf zu schmeissen, und als ich im Gehen begriffen war, mit Maske, er ohne, mir nachrief, dass „die ja genau das wollen“, diese Spaltung, ohne zu bemerken, dass er im selben Moment ja selbst ein Teil der „die“ war. In einem darauf folgenden kurzen sms Austausch meinte er dann zum Schluss:“Wir alle haben recht“ wozu ich nur sagen kann: Ich will nicht „recht haben“. Wenn es uns nicht gelingt, einen Raum zu schaffen, wo jemand auch „nicht recht haben darf“, ohne sie oder ihn auszuschliessen oder zu verurteilen, haben wir es big time komplett vergackt.

vergackt…..

Meine Liebste hat das folgende zum Thema „Spaltung“ vor nicht allzu langer Zeit so wunderbar formuliert: sich von den in unglaublicher Dichte verstreuten Widerhaken, Fangnetzen und Ködern weder auf die eine noch auf die andere der angeblich nur jeweils 2 vorhandenen Seiten ziehen oder von ihnen vereinnahmen zu lassen, sondern „bei sich“ in der kleinen stillen Ritze dazwischen, gleichsam im stillen und friedlichen Auge des darum herum lautstark tobenden Orkans zu bleiben. Dieses Bild ist seitdem immer bei mir und es gibt jede Minute zahlreiche Möglichkeiten, sich darin zu üben und als bewusst lebender Mensch daran zu wachsen .

…….

Die meisten von uns sind eben nicht „bei sich“ sondern in einer Welt im Aussen gefangen, als wäre dies die einzige Welt, die es gibt. Also „ausser sich“. Dort will die Konsumgesellschaft und ihr böser Stiefvater, der Kapitalismus, wo einige wenige sich auf Kosten der meisten von uns bis ins unermessliche bereichern, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln, gefangen halten. Im Informationszeitalter der Zerstreuung, der Zerstörung aller analogen und natürlichen Lebensgrundlagen mittels der Kunst und dem Werkzeug der gnadenlosen Ablenkung und Umleitung, auf die digitalen und virtuellen Autobahnen auf die Spitze des Turms zu Babel.

Es scheint mir so zu sein, als gäbe es jetzt eine riesengrosse, einmalige, möglicherweise für uns Menschen letzte Chance einer Bewusstwerdung dessen, dass alles gigantische, inzwischen viel zu gross und fett und überheblich und ignorant und arrogant gewordene langsam aber immer schneller und sicher über die eigenen Beine zu stolpern beginnt, egal ob es sich um narzisstische amerikanische Ex – Präsidenten, eingebildete österreichische Spitzenpolitiker, Riesen Frachter im Suezkanal oder eine vollkommen verrückt gewordene Konsumgesellschaft, im Kollektiv vollkommen ausser sich, handeln mag. Der Turmbau zu Babel ist wieder einmal heftig ins Wanken geraten und wir dürfen ihm erste Reihe fussfrei beim einstürzen zuschauen. Obacht, dass uns die Trümmer nicht auf den Schädel oder um die Ohren fliegen. Welche Meinung wir dabei glauben verteidigen zu müssen, spielt bei all dem herzlich absolut keine wie auch immer geartete Rolle.

Bewusstwerdung

Die Kunst scheint mir in der Tat in der Herausforderung zu liegen, sich vom einen Ufer der Besserwisser über den Informationsfluss der Alles Wisser auf diesem schmalen Steg zum anderen Ufer hin zu bewegen, voll und ganz bei uns, sich im „bei sich“ und mit sich im Einklang sein übend und an den Händen haltend, voller Vertrauen hinüber und darüber hinweg zu gehen, auf ein Ufer zu, von dem wir alle noch nicht genau wissen, was uns dort erwarten könnte. Hinein in ein Meinungs- und Urteilsfreies Land, das erst entdeckt werden will, in eine Gemeinschaft, die nicht recht haben muss, die aber auch „nicht recht haben“ darf, die allerdings erst wahrgenommen werden wird, soweit wir den Mut aufbringen diesen für uns alle neuen Raum gemeinsam zu betreten, der jetzt miteinander, liebe- und verantwortungsvoll aus einem gemeinsamen Anliegen heraus, der Wiederentdeckung des „Mensch Seins“ und wieder ein nicht perfekter, liebevoller und liebenswürdiger Mensch zu werden und „sein“ zu dürfen, geschaffen werden kann.

der schmale Steg

Veröffentlicht von

pimpmyband11

Alexander A. Deutsch UMAN United Music Angels Network moerdermusic productions & international artist development music . consulting . production . lectures . kick ass drums https://pimpmyband.live www.cafedrechslerband.com www.bartolomeybittmann.at www.facebook.com/alexander.a.deutsch

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