#151 „Alkohol“

Ich bin zwar überhaupt nicht, wie ja die meisten von uns in den westlichen, wettbewerbsgesteuerten Industrieländern und ihren Nacheiferern auf der Überholspur aus dem kommunistischen Hintergrund, über oder unter zu Hilfenahme des Alkohols sozialisiert worden, aber ich hatte und habe da nach wie vor und immer wieder meine einschlägigen und einschlagenden Berührungs- und Reibungspunkte, Beobachtungen und Reflexionen zu diesem Thema. Auch kann man sicher nicht behaupten, dass ich ein militanter Antialkoholiker sei, wie ich auch keinesfalls ein militanter Nichtraucher bin, obwohl ich mich vor Jahren von der Last des „Rauchen müssens“ befreien konnte.

Reflexionen

Nein, ich trinke hin und wieder gerne mal ein gutes Gläschen Wein, bevorzugter Weise im Kreise meiner Liebsten, und ich verschmähe da oder dort auch nicht einen richtig guten Grappa zum genau so richtig guten Kaffee oder auch gerne ein vorzügliches Gläschen Gin, wie ich auch hin und wieder gerne mal eine selbst gedrehte Zigarette paffe, allerdings nicht inhaliere, die ich zumeist im Rahmen eines Café Drechsler Konzertes von meinem lieben Freund und Bass Buddy Oliver schnorre, der dieses Vergnügen auch immer wieder gerne mit mir zu teilen scheint. Bier hat mir noch nie so wahnsinnig gut geschmeckt, was zur Folge hat, dass ich so um die 5 – 6 Biere trinke, wie ein guter Österreicher das eben imstande sein kann, allerdings über ein ganzes Jahr verteilt und nicht an einem Wochenende oder gar an einem einzigen Tag.

gerne mal ein gutes Glas Wein

Sprich: ich kann mit Alkohol, was ich Jahrzehnte lang mit Zigaretten schlicht und einfach nicht hinzukriegen wusste und was dann für mich schlussendlich auch der entscheidende Punkt war, das „Rauchen Aufhören“ gezielt in Angriff zu nehmen: ich „muss“ nie trinken, aber ich „kann“ leicht und darf es jederzeit befreit und genussvoll tun, wenn ich eben mag. Punkt. That’s it. No more, no less. Das heisst: ich habe mit Alkohol, im Unterschied zu Tabak, nie eine Abhängigkeit entwickelt. Ich denke weder täglich daran, ich habe auch keine Zeitpläne, ab wann und zu welcher Tageszeit man oder ich mein erstes Gläschen trinken darf oder wo die nächst besten Gelegenheiten sich auftun könnten, völlig unverdächtig und mit all dem gesellschaftlichen und katholischen Sanctus ich wieder zu meiner Krügerl, Flascherl, Stamperl, Schluckerl Ration gelangen könnte, oder wie all die dafür gängigen Verniedlichungsformen und Kosenamen auch heissen mögen.

no more, no less

In Sachen Rauchen und Zigaretten war ich diesbezüglich allerdings ein Vollprofi und mehr oder weniger gute Gründe, schnell noch eine zu rauchen, waren mannigfaltig, unzählig like hell und ein kuschelwarmer Pool für meine reichlich vorhandenen, nur all zu oft als Kreativität getarnten Ausreden, zumeist vor mir selbst und meinem inneren Richter gegenüber. Mitbewerber und Mitraucherinnen gab es vor Jahrzehnten, wo rauchen ja oft noch richtig cool gewesen zu sein schien, auch immer noch mehr als genug und man fühlte sich in den diversen rauchenden und endlos intellektuell und siebengscheit vor sich hin quasselnden Runden ja gleich einmal zu Hause, egal wo immer man da auch tatsächlich gewesen sein mag.

…egal wo immer man da auch tatsächlich gewesen sein mag.

Jetzt hat in einem wunderbaren Gespräch vor ein paar Wochen der deutsche Neurobiologe und Hirnforscher Prof. Gerald Huether eine für mich wirklich beeindruckende und sofort nachvollziehbare, wissenschaftlich fundierte Erkenntnis mir gegenüber eröffnet, und zwar, dass eine der wesentlichen Triebfedern und Grundbedürfnisse unserer menschlichen Existenz jene ist, unbedingt „dazuzugehören“ zu wollen. Laut ihm haben wir das in den Monaten im Mutterleib, inniglich und absolut überlebensnotwendig zugleich durch die Nabelschnur mit unseren Müttern verbunden, erfolgreich verinnerlicht und gelernt und dort hat sich dieses Bedürfnis und diese Sehnsucht bereits entwickelt, also lange bevor wir sozusagen „das Licht der Welt erblicken durften“.

dazugehören wollen

Warum erwähne ich das jetzt? Na weil ich der festen Überzeugung bin, wie bereits eingangs erwähnt, dass Alkohol eine extrem starke und untrennbar damit verbundene soziale Komponente hat und die meisten von uns eben über dieses Bedürfnis, dazugehören zu wollen, über die Nabelschnur des Alkohols und die unzähligen damit verknüpften und in Verbindung stehenden Möglichkeiten und das Ritual des miteinander, gemeinsamen Trinkens sozialisiert worden sind und nach allen Regeln der Manipulationskunst einer gigantischen dahinterstehenden Wirtschaftsmacht und buchstäblich allen Finanzämtern dieser Welt gemeinsam im Chor nach wie vor zum Alkoholkonsum ermuntert werden, und das über hunderte, ja: fast tausende von Jahren: Eine höchst profitable Konditionierungs – und Erfolgsgeschichte.

die Nabelschnur des Alkohol…..

Dass dabei die Übergänge, wie beim Rauchen, Medikamentenkonsum, Essen, Internet, Gambling und anderen, potentiellen Süchten mehr als heimtückisch fliessend sind, ist leider eine die nicht enden wollende Feierlaune begleitende, knallharte Realität. Wie viele Österreicher, und ich rede jetzt einmal nur von uns, würden sich als Alkoholiker bezeichnen, weil sie sich doch „nur“ 1 – 4 Achterl, ein paar Sommersprizer, ein, zwei Krügerl, ein paar Stamperl tagtäglich, jahraus jahrein zu sich zu nehmen gewohnt sind und gleichzeitig auch mit Unterstützung einer durchwegs alkoholisierten Gesellschaft auf dieses jeder und jedem zustehende Recht pochen? Die Gründe, irgend wen oder irgend was, irgend wann und irgend wo auch immer zu feiern, sind unzählig, und der Alkohol gehört eben ganz klar und eindeutig dazu. So schreibt das die soziale, gesellschaftliche Etikette einfach vor.

gehört dazu

„In Österreich ist der Umgang mit Alkohol nach wie vor von viel Unwissenheit geprägt und Alkoholsucht immer noch ein Tabuthema – obwohl es viele Betroffene gibt: In Österreich werden fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung ab 15 Jahren als alkoholabhängig eingestuft (2,5 Prozent der Frauen und 7,5 Prozent der Männer). Das sind ungefähr 370.000 Menschen. Weitere neun Prozent konsumieren Alkohol in einem gesundheitsgefährdenden Ausmaß. In Summe weisen also 14 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher, also rund eine Million Menschen, ein problematisches Trinkverhalten auf. Rechnet man auch Freunde bzw. Angehörige als indirekt Betroffene – immerhin leiden sie oft über Jahre mit den süchtigen Personen mit – ist Alkoholismus ein Thema, das sehr viele Menschen hierzulande eigentlich etwas angeht. Angesprochen wird problematisches Trinkverhalten aber kaum.“ (aus „Der Standard“ 23.5.2021)

….ein Traum

Ist man nun Teil einer derartigen gesellschaftlichen Einvernahme geworden und macht aber, so wie ich immer wieder, und wesentlich öfter als manch andere, dabei nicht mit, ist man nicht nur sofort ein Aussenseiter, sprich man gehört sofort „nicht dazu“ und das lässt man einen schon ganz klar spüren. Da kommen dann sofort auch Fragen wie „Was ist denn mit Dir los?“ oder „bist du krank?“ oder Aufmunterungen wie „Na komm schon, ein Schluckerl, ein Glaserl geht scho, oder“ oder „geh sei kein Spielverderber“. Wie heisst das Spiel denn, welches man da anscheinend, und zwar für wen genau, verdirbt, nur weil man nicht mittrinkt? Nur weil man vielleicht schon von Natur aus nicht gehemmt ist? oder gesprächsbereit? oder gut gelaunt? oder gesellig oder „gut drauf“ ist? – einfach nur mit Luft, Freude, Freundlichkeit und Herzlichkeit?

Aussenseiter

Ich habe ja überhaupt nichts gegen sich selbst oder wen oder was auch immer feiernde Menschen und wie schon gesagt, im Prinzip auch überhaupt nichts gegen Alkohol. Nur müssen will ich nicht müssen, auf diese Bedingung dieser Zugehörigkeit kann ich immer ganz leicht und einfach verzichten. Es fühlt sich dann oft so an, als fühlten sich da so manche in Ihrer Strategie ertappt, und das ist dann unangenehm und wird mir, der dann oft weder mittrinken will noch muss, vorgeworfen. Belächelt. Darüber Witze gemacht und ins Lächerliche gezogen. Verdächtig. Lauter Dinge , die ich leicht aushalten kann, wenn ich will, aber sicher nicht muss.

feiernde Menschen

Was ich an Alkohol aber wirklich nicht mag, abgesehen davon, dass ich mit 3 Jahren schon meinen ersten Vollrausch hatte, nachdem ich die halbvollen Weingläser am Tisch, als meine Eltern unsere Gäste zur Tür begleiteten, so gut wie „Ex“ ausgetrunken hatte, was zur Folge hatte, dass meine Eltern schwer besorgt waren und ich 2 1/2 Tage durchgeschlafen hatte, ist folgendes: Die Lautstärke, die Aggressivität, das enthemmt werden oft vollkommen gehemmter bis biederer, oft bürgerlich zwangskasernierter Mitmenschen, die aggressive Energie, die ich frühmorgens in Form zahlloser zerbrochener Gläser und Flaschen auf den Wiener Radwegen zu umfahren und auszuweichen gezwungen bin, das „Wir scheissen uns nix Gefühl“, dass sich da meistens mit voller Wut, und Wucht, plumper Geilheit und vollkommen ausser Kontrolle geraten viel zu breit macht.

wir scheissen uns nix

Was leider oft viel Zartes, Leises, Ruhiges, Friedvolles, Liebevolles und Mitmenschlich empathisches oft mutwillig und vollkommen unbewusst bis zur vollkommenen Bewusstlosigkeit zerstört, kaputt und schier unmöglich macht. All das brauch ich in diesem, meinem eher ruhigen und beschaulichen Leben, sicher auch weiterhin überhaupt bis ganz und gar nicht. Auch nicht um den Preis, da dann eben nicht dazu gehören zu dürfen.

Veröffentlicht von

pimpmyband11

Alexander A. Deutsch UMAN United Music Angels Network moerdermusic productions & international artist development music . consulting . production . lectures . kick ass drums https://pimpmyband.live www.cafedrechslerband.com www.bartolomeybittmann.at www.facebook.com/alexander.a.deutsch

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