Kreativität…                                                                                                                                       …ist der Mut, Fehler zu machen. Es ist das schöne Prinzip von ‚Versuch und Irrtum‘. Das Gegenteil ist Konformität. Die mag gelegentlich angebracht sein, um sich nicht um Kopf und Kragen zu bringen – bringt einen aber nicht wirklich bis überhaupt nicht voran. Wer permanent Angst hat, Fehler zu machen, sperrt sich am Besten jetzt für den Rest der Tage auf diesem Planeten im Klo ein und wartet bis es vorbei ist, und selbst da kann noch einiges schief gehen

Warum lernen wir das nicht in der Schule? Fehler machen ist erlaubt? Wirklich?! JA!!!!! Fehler Machen, Versagen, ja sogar Scheitern ist nicht nur erlaubt sondern auf dem Weg zu einem  erfolgreichen Leben schlicht und einfach unumgänglich.                                    „In meiner Karriere habe ich über 9000 Würfe verfehlt. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 Mal wurde mir der spielentscheidende Wurf anvertraut und ich habe ihn nicht getroffen. Ich habe immer und immer wieder versagt in meinem Leben. Deshalb bin ich erfolgreich.“ – Michael Jordan, einer der legendärsten amerikanischen Basketballspieler ever.

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1998 bekam ich einen Anruf von der EAV, deren Gründungsmitglied und Drummer Anders Stenmo 3 Tage vor Tourneebeginn mit über 30 Konzerten durch A/DE/CH bedauerlicherweise gerade einen Gehörsturz erlitten hatte und man vor der Alternative stand: entweder die Tour abzusagen oder man fand einen Verrückten, der sich in 3 Tagen die über 2 1/2 Stunden dauernde Show mit allen Cues und dem üblichen Schlagzeugkram reinzog, 2 x probte und dann mit ihnen die Tour bestritt. Langer Rede kurzer Sinn: ich war der Verrückte.                                                                                                        Und da sass ich nun, zirka eine Woche später, in einem ausverkauften Konzertsaal in Stuttgart Seite an Seite mit meinem kongenialen Kollegen und Freund Leo Bei am Bass, hatte meinen Schummelzettel, den ich bis dato mit verschiedenen Kurzinfos wie Tempowechsel und Songreihenfolgen inklusive Grooves Abend für Abend verwendete, entsorgt und begann volle Kanne mit der Drum Intro zum 6.Lied des Konzertabends, bis auf die Eins niemand von der ganzen Band einsetzte. Ich nahm einen neuen Anlauf zum, wie ich dachte, 6. Song und mitten drin lief es mir kalt und heiss über den Rücken weil ich in der Sekunde erkannte, dass ich den falschen Song gestartet hatte und deshalb niemand mit mir losgelegt hatte. Im selben Moment sprang ich auf, schrie laut „Scheisse“ und warf meine Drumsticks weit in das überraschte Publikum, worauf ich, glaubt es mir bitte, eine Standing Ovation des gesamten Konzertsaales von weit über 5.000 Menschen und das schallende Gelächter der alten EAV Hasen zu Spüren und zu Hören bekam.                  Nach dem Konzert kamen zahllose Menschen Backstage und „bedankten“ sich bei mir da sie nun wussten, dass hier nicht alles Playback, sondern tausend Prozentig echt war und sie diesen Umstand liebten und die EAV nicht zuletzt deshalb noch mehr in ihr Herz schlossen – mein Resumeé: wenn Du in der Lage bist, Deine sogenannten „Fehler“ in der Sekunde, in der sie passieren, zu umarmen und sie anzunehmen, wird Dir nie etwas Unangenehmes passieren. Ganz im Gegenteil: Du bist nicht vor Schreck und „Schuld“ gelähmt, Du hast die Chance zu reagieren, zu agieren, etwas kreatives daraus zu machen, einen Weg zu gehen, den Du noch nie gegangen bist und freiwillig womöglich nie gegangen wärest, oder eben schlicht und einfach aufzustehen und zu sagen: tut mir leid, i fucked up – shit happens.

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mit Leo Bei auf einer EAV Tour nach einem Konzert im Kaufleuten Zürich

Wer Fehler negativ bewertet, nimmt sich die Chance, daraus zu lernen. Denn jeder Fehler birgt Entwicklungspotenzial, zeigen Gabriele Cerwinka und Gabriele Schranz in ihrem Ratgeber Fehler erlaubt (Linde Verlag) Oft stehen uns Gefühle wie Bestürzung, Angst, Scham, Wut oder auch Schuld im Weg, um konstruktiv mit Fehlern umzugehen. Dabei macht gerade das Eingestehen menschlich, bringt Sympathiepunkte, macht glaubwürdig und nachvollziehbar.

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Pink Inc. mit Delmar Brown, Jamaaladeen Tacuma und yours truly back in the days 😉 Foto © Gernot Muhr

Ich selbst betreibe bzw. bin seit über 30 Jahren leidenschaftliches Mitglied von Jam Bands aller Art, das sind Bands ohne fixe Song- oder Setlisten, ohne dezidierte Songs, ohne Vorgaben wie Noten oder andere Absprachen. Man spricht auf Tour über Gott und die Welt aber meistens überhaupt nicht über Musik, und man geht quasi „nackt“, also ohne Erwartung und auch ohne jegliche Vorgabe wie zum Beispiel „wer beginnt? in welcher Tonart spielen wir? wie schnell wird der erste Song? was ist die Setliste? wer hört auf ?“ also ohne all das, ohne Geländer und doppelten Boden im freien Fall auf die Bühne, im vollen Vertrauen , dass es toll wird, dass das immer geht und mit der einzigen Vorgabe, die Menschen zu berühren und/oder zum Tanzen zu bringen, voll und ganz, ohne ein Prozent Zweifel im Hier und Jetzt, ohne auch nur den Bruchteil einer Sekunde „nachzudenken“, was das ganze genau in diesem Sekundenbruchteil mit Sicherheit zum Einstürzen bringen würde. JA!!!! Das ist keine Angst vor Fehler Machen on a higher Level 😉 Das geht und ging mit Bands wie Pink Inc. mit Jamaaladeen Tacuma, George Garzone und dem leider viel zu früh verstorbenen Delmar Brown, oder mit unserer Band Café Drechsler, aber das geht auch mit Menschen und Musikern, die man überhaupt nicht kennen muss, in sogenannten Jam Situationen genau so. In meiner Wahrnehmung ist das Jetzt, die Ewigkeit des Augenblicks, die Magie und die Kraft des Moments mit allen Chancen und Möglichkeiten des Hier und Jetzt, des Augenblicks, dem Absoluten Vertrauen auf die eigene Intuition und der Intuition der Anderen nirgendwo klarer und stärker wahrnehmbar als in so einer Situation und ich liebe es und bin ewig dankbar dafür, das so und in dieser Form erleben und verinnerlichen zu dürfen.

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Café Drechsler bei einer live to Vinyl recording Session letztes Wochenende im genialen sowie vollkommen analogen Supersense Vienna

Wer Fehler abstraft, und da ganz besonders schon bei Kindern, raubt ihnen und beraubt sich nicht nur der Möglichkeit daraus zu lernen, er wird auch blind für das andere. Es geht nicht mehr nur darum besser als andere zu sein, sondern besser zu werden. Sich verbessern kann nur der, der in der Lage ist die eigenen Defizite zu erkennen. Ohne diese Erkenntnis ist Lernen unmöglich. Fazit: Ohne Fehler bleibt nur, wer nichts tut 😉 cheers, euer aX

Zum Abschluss noch ein Konzerthinweis: kommenden Sonntag, 19.11. , 19:30 mit Café Drechsler im , wie Uli zu sagen pflegt, schönsten Konzertsaal Wiens, im Muth. http://www.facebook.com/events/713716622154493/

Beitragsfoto : Stephan Kondert, bass motherfucker & aX im „Zweitbesten“ Wien

 

 

 

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