#111 „und? was geht bei dir grad mit Musik so?“ – „wenig. Nichts – eigentlich.“

Ja, liebes Leben, meine Lieben, manchmal sind es eben nicht die guten Antworten , die man gerade braucht oder sucht, sondern es sind eher die besten Fragen, die einen finden. Diese schlichte, einfache, klare, wundervolle Frage hat mir gestern Abend mein liebster Sohnemann gestellt, als ich gerade am Laptop sitzend im Begriff war meinen letzten Blog #110 „Vor – Wurf“ fertigzustellen . Er selbst ein unglaublich begabter und genialer Musiker, Multiinstrumentalist, Artist, Komponist und Produzent, was er manchmal anscheinend selbst noch nicht so ganz weiss, verinnerlicht und realisiert hat oder glauben kann, und auf jeden Fall ein verdammt liebenswerter Zeitgenosse sowie wunderbarer Mit – Mensch, mit dem ich seit ein paar Jahren zusammen in einer Männer WG wohnen und leben darf. Alleine die Tatsache, dass wir diesen ganzen Corona Irrsinn mit all den Lockdowns und Ausgangssperren, inzwischen der vierte seiner Unart hier in Wien, ohne einen einzigen Streit oder sonstigen Kommunikationszusammenbruch auf doch relativ engem Raum bis jetzt hinter uns gebracht haben, spricht eindeutig für ihn, für alle die mich besser kennen als mir manchmal lieb ist 😉

Aljosha Kareem

Ich bin so unfassbar dankbar für diese einfache und ehrliche Frage, denn sie ist und war der Wake Up Call, der mich in einem einzigen Augenblick in den Ist Zustand, den nackten Status Quo meines derzeitigen Da Seins aufwachen liess, eine Frage, die ich in dem Moment so dringend brauchte wie sonst nichts auf der Welt. Jetzt spült mir mein E-Mail Konto gerade das http://www.gratefulness.org Zitat des Tages rein, mit folgenden Worten: „Comfort provides a floor but also a ceiling. – Komfort (Komfortzonen) schaffen einen Boden, aber zugleich auch einen Plafond, die Decke, die einem manchmal auf den Kopf zu fallen scheint bzw. in dem Sinne, dass da dann manchmal einfach kaum bis keine Luft mehr nach oben ist“ Wie geil ist das denn?

comfort provides a floor but also a ceiling

Ja, ich bin sicher privilegiert in einer gewissen Weise und aus einer bestimmten Perspektive betrachtet: ich darf gerade unser „Café Drechsler Jubiläumsalbum“ zusammen mit meinen Kumpels und Freundinnen improvisierter Beat-, Trip- , Dance- , Singer Songwriter- und manchmal durchaus auch Meditationsmusik fertig produzieren, wofür der geniale Martin Klein gerade einen Song, zum Heulen wunderschön beigetragen hat, oder mein lieber Freund Mark Batson in L.A. uns ein geniales Spoken Word und Keyboard Geschenk gemacht hat, heute einer meiner Lieblingsbasser, Stephan Kondert dran am Werken ist, einen Beitrag aus der Bronx für uns fertig zu stellen, wie auch „God on Trumpet“ Matthieu Michel, der liebe Christoph Bernewitz, der geniale, vielen von seiner Zusammenarbeit mit Clueso bekannte Gitarrist aus Berlin und die wunderbare Valerie Saidik aus St. Privat, die Jungs von Origami Punani oder Bartolomey Bittmann, mein jahrelanger Trooper, Recording und Mixing Engineer Clive Martin und viele andere auch – der digitalen Welt der Kommunikation und ein paar fetten Datenkabeln sei an dieser Stelle dafür Dank.

20 Jahr Jubiläumsalbum

Ausserdem darf ich mit einer unglaublich inspirierenden und versierten Truppe an einem Herzensprojekt, wo es um ein Generationen übergreifendes Lernen mit- und voneinander geht, im Südburgenland arbeiten und darf täglich mein Rad und mich in die nördlichen Donauauen mitten in die Natur entführen und mich bei Gelegenheit auch noch in die Donau schmeissen. „Des is alles ned glei nix“ wie meine Mutter sagen würde. Und ja, das hält mich auch im Wesentlichen zusammen these dayz.

mich in die Donau schmeissen

Ich sage zwar manchmal, dass Musik meine erste Liebe war, als hätte ich diese Liebe für mich ent – deckt aber in Wahrheit hat sie mich gefunden, und zwar lange bevor ich bei Blitz und Donner, wie es sich eben für einen Schlagzeuger gehört, von meiner Mama in diese Welt geboren worden war. Musik war mit und in mir seit einem gefühlten „immer“ und jetzt fehlt sie mir wie wahnsinnig. Ja, es ist ja nicht so, dass wir keine Instrumente zu Hause hätten, oder so – aber als inzwischen seit 45 Jahren aktiv tätiger, auf der ganzen Welt herum kugelnder „Live“ Musiker und Musikant fehlen mir diese wunderbaren Energien von eben solchen Live Konzerten, bei denen Musiker, Musikanten und Publikum gemeinsam in eine Welle und in diese fantastische Energie eintauchen und mit ihr träumen, tanzen, lachen, schreien, kreischen, weinen, sich umarmen, sich spüren und fliegen können und dürfen, egal wo sie vorher hergekommen und nachher hingegangen, oder gefahren, oder geflogen sind. Das fehlt mir, meinem Herz und meiner Seele! Big Time!

gemeinsam in eine Welle und diese fantastische Energie eintauchen

Dafür und davon lebe ich seit ich denken kann. Aber diese wunderbare Frage hat mich auch auf vieles anderes wieder aufmerksam gemacht: ich bin ja nicht wie ein Spitzenkoch, der vergessen hat, selbst zu essen, oder ein Tischler, der zu Hause auf dem Boden sitzen muss oder seine Möbel bei Ikea kauft, oder ein Biobauer der sich seine Radieschen bei Ja Natürlich holt, oder ein Arzt oder Chirurg, der selbst nicht auf seine Gesundheit achtet (naja, davon kenne ich leider doch einige ), oder wie ist das denn eigentlich? Ist ein Schauspieler oder eine Schauspielerin auch Schauspielerin, wenn es weder etwas zu schauen noch zu spielen gibt? Ist ein Schriftsteller oder Schriftstellerin auch Schriftstellerin wenn man ihren Laptop, sämtliche Bleistifte, Füllfedern und Kugelschreiber, Handy und die Kontaktdaten zu ihrem Verlag geklaut hat? Ist ein Pilot oder eine Pilotin noch Pilotin ohne Fluglinie oder Flugzeuge, die gerade auch nicht fliegen dürfen? Ist ein Gastronom noch Gastronom wenn er sein Hotel seit gefühlten Ewigkeiten zugesperrt halten muss? Eine Operndiva immer noch Sängerin, auch wenn die Oper, wie auch sämtliche Theater, Konzert Locations, Musik Clubs und Kinos seit Ewigkeiten ebenfalls zugesperrt bleiben muss?

bin ich wie ein Spitzenkoch der vergessen hat selbst zu essen?

Aber JA, Natürlich sind wir alle wer wir sind, weil wir nicht ausschliesslich durch das Tun sondern eben durch unser Sein definiert sind, auch wenn man uns jetzt gerade, wie es scheint, nicht Sein lassen will oder wir gerade nicht Sein zu scheinen dürfen. Besonders die Künstler, besonders die Kunst. Und jetzt dauert schon mehr oder weniger fast ohne Unterbrechung über ein Jahr lang!!! Alle anderen zuerst – Kaufen, Saufen, Laufen, Schi foan, möglichst billig Häuser bauen und selbige wieder teuer Verkaufen….. was für ein Signal und welche Zeichen dieser Zeit sind das in Wahrheit bitte??? Dieses „ein mal eins“ ist wahrlich nicht sehr schwer zu durchschauen, zu verstehen, zu erkennen und zu erlernen. „Wirtschaft vor Mensch“ lautet die fatale Ungleichung. Und alle wissen es, und alle haben es schon immer gewusst. Diese Ungleichung lässt sich mit einer Leberkässemmel, einem Sommerspritzer, einer Liftfahrt auf den Kunstschneeberg, Sommer Sales und Winter Prozente, einer Melange to go oder einem All Inclusive Urlaub in Trips Trü so einfach sicher nicht mehr in ein auch nur annähernd gesundes Lot sowie ein fried- und freudvolles Dasein bringen.

Ungleichung

Und jetzt mach ich mir allen Ernstes einen Impftermin aus und freu mich, dass ich ihn habe, obwohl ich noch nie im Leben eine einzige Grippe Impfung hatte noch brauchte, anstatt mir ein paar Konzerte auszumachen oder mir zu überlegen, wie wir allen äusseren und inneren Umständen zum Trotz doch wieder mit einem analogen, gemeinsamen Konzerterlebnis, vor einem echten , wahrhaftigen Publikum, wo echte Funken und Fetzen sprühen und fliegen dürfen , wo echte, analoge, salzige Freuden- und Glückstränen vergossen und Angst, Panik und Sorgen vergessen werden können, wo wir uns wieder alle von dieser wahrhaftigen energetischen Welle, die wir alle von unzähligen gemeinsamen Live! Erlebnissen her kennen und der Frequenz der Musik, des Rhythmus, der Harmonie, der Beatz und Sounds berühren, tragen und gemeinsam umhüllen und umarmen lassen, wovon die digitale, virtuelle, flache, aber unglaublich schrille und schnelle Welt, so beeindruckend sie für viele zur Zeit auch sein mag, auch in aller Zukunft nur träumen wird können.

sich von der Energie und der Frequenz der Beatz und Sounds tragen lassen

Denn wenn dieser Stoff, aus dem wir sind, sich mit dem Stoff, aus dem wirklich, richtig gute Konzerte und Live! Erlebnisse sind, zu einer für alle Anwesenden spürbaren und wahrnehmbaren Energie, Frequenz und Welle vereint, kann diese sich auf der schnellsten digitalen Autobahn weder fortpflanzen noch einen einzigen Betrachter weder mit ihrer vollen wahrhaftigen Vehemenz noch ihrer Intensität und Stärke vor einem noch so grossen Bildschirm je zutiefst berühren, ganzheitlich erfassen noch mitfliegen lassen. Genau das fehlt. Uns allen. Big Time!

Genau das fehlt. Uns allen. Big Time!

Ich vermisse euch, Uli und Oliver und unsere geilen Jam Band Slams, egal ob mit einem schwitzenden Haufen tanzender und johlender Menschen im legendären Café Europa oder auf einer der grossen Bühnen zwischen Seoul, NYC und Moskau oder sonst wo da draussen. Ich vermisse es mit euch zu grooven was das Zeug hält lieber Jon Sass, du geilster Tuba Künstler und liebster Freund der Welt mit deiner „Destiny Band“ mit Ola, Angus und Geri. Oder mit euch „zu geigen“ lieber Raphael Wressnig und Harry Sokal mit unserer Band „Groove“ oder mit Dir Deine tollen Songs zu performen, liebe Maja Jaku zusammen mit Dusan und Martin, im Duo mit meinem best friend und soulbrother Peter Herbert, oder wenn ich eben auch hin und wieder mutig genug bin um ganz alleine bei einem meiner Solokonzerte im wahrsten Sinne des Wortes „aufschlagen“ zu dürfen. Und ich vermisse vor allem euch, ihr herzallerliebstes, wahrhaftiges, lebensechtes und lebendiges Publikum.

Es ist kein Jammern. Es ist das klare Bewusstsein, dass Essentielles, Wesentliches fehlt, was mich und uns erst „Mensch Sein“ und werden und spüren lässt, wer wir tatsächlich sind. Sehnsucht, Hunger, Durst, Vertrauen, Mut, Verzweiflung, Hoffnung und die Liebe, die Liebe zu den Menschen und die Liebe zur Musik.

Essentielles, Wesentliches………

Ich nehm mir jetzt nach langem wieder einmal Zeit für mich und mein geliebtes Akkordeon. Und vielleicht mag mein Sohnemann ja mit mir einen neuen Song zusammenbasteln, jetzt – wo wir schon alle da sind. Ich meine den Lockdown, die Stille, die Musik und uns. ❤

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pimpmyband11

Alexander A. Deutsch UMAN United Music Angels Network moerdermusic productions & international artist development music . consulting . production . lectures . kick ass drums https://pimpmyband.live www.cafedrechslerband.com www.bartolomeybittmann.at www.facebook.com/alexander.a.deutsch

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