#123 „Würde, Respektspersonen, Dresscodes, Etiketten und die österreichische Verlogenheit“

Gleich mal eines vorweg: Wenn wir im April dieses Jahres 2021 wirklich immer noch glauben wollen oder uns tatsächlich von allen möglichen sowie unmöglichen Anstandswauwaus weis machen lassen wollen, dass man nur in meist viel zu engen Slimfitanzügen, weissen Hemden, Krawatten und penibel polierten Designerschüchchen eine sogenannte Respektsperson sei, oder diese Uniform gemäss der sogenannten Etikette bei diesen oder jenen feierlichen Anlässen nach wie vor unerlässlich sei, dann sind wir noch nicht mal im vorigen, geschweige denn in diesem Jahrhundert angekommen.

keine polierte Designerschüchchen

Was sch da jetzt unfassbar haarsträubend grausliches rund um die veganen Sneakers meines ehemaligen Arztes und nunmehrigen Gesundheits- und Sozialministers Dr. Wolfgang Mückstein abspielt, die er bei seiner Angelobung Anfang dieser Woche beim Bundespräsidenten zu tragen gewagt hat, lässt mir in jeder Hinsicht die Spucke komplett wegbleiben. Als ob wir wirklich nichts wichtigeres, dringenderes, essentielleres zu besprechen und/oder darüber zu lästern und diesem Umstand und, am Besten, uns und jede und jeder selbst gegenüber zu kritisieren und kritisch zu hinterfragen hätten. Was geht da eigentlich ab, bitte??? Wie geht es uns eigentlich???

sweet 19, back in the dayz – Foto © Gernot Muhr

Das sind die Dinge , die die Herzen und die Gemüter der Österreicher in Aufruhr zu versetzen imstande sind???? In Anbetracht der uns alle und alle nachfolgenden Generationen existentiell bedrohenden grössten Klimakrise in den letzten 50 Millionen Jahren, verursacht durch unsere eigene Ignoranz, Arroganz der Natur gegenüber und gigantischer Selbstüberschätzung als ein widerspenstiger, besserwisserischer Teil dieser Natur, der wir nunmal sind und sonst gar nichts??? Und das am sogenannten Earth Day? Aber dazu noch etwas später, um dann auf die wahren Herausforderungen unserer Zeit zurück zu kommen.

was die Gemüter der Österreicher in Aufregung zu versetzen imstande ist – Foto: Rainer A. Rygalik

Ich bin ja Gott sei Dank schon lange nicht mehr bei fakebook, aber da überschlagen sich anscheinend, Berichten zufolge, die Shitstürme in Richtung unseres neuen Gesundheitsministers, der für unser aller Wohlbefinden und in Sachen unser aller körperlicher, psychischer und sozialer Gesundheit in der nächsten Zeit eine entscheidende Rolle spielt und spielen wird, wegen ein paar lächerlichen Turnschuhen. Nichts Schlimmeres sollte uns bitte passieren. „Nobel geht die Welt zugrunde“ hat jemand anscheinend sehr weiser vor schon relativ langer Zeit vollkommen richtig bemerkt. Ich glaube es stammt ursprünglich vom ukrainisch russischen Schriftsteller Nicolai Wassiljewitsch Gogol. Anscheinend geht,s uns wirklich immer noch viel zu gut.

schon lange nicht bei fakebook – Foto © Michael Geyer

Die österreichischen, unangefochtenen World Champions der Motschkerer, Suderer, Vernaderer, Verurteiler und Vorverurteiler, die Oberrichterinnen und Scharfrichter aus den meistens hintersten, letzten Reihen, aus der feigen Deckung geduckt hinter diversen Vorhängen oder in der Anonymität aus dem Dunkeln, wo es sich bekanntlich immer und unentdeckt gut munkeln lässt, haben wieder einmal Hochsaison, um über die jeweils angeblich Schuldigen, zu Verurteilenden und, wie wir alle, eben nicht perfekten oder einfach „anders artigen“ Anderen herzuziehen, wodurch diese Volkssportler sich nicht nur in Anbetracht ihrer offensichtlich eigenen Unvollkommenheit, den eigenen Mankos und der eigenen Verlogenheit selbst klarer und unmissverständlicher entlarven und blossstellen als ihnen gut möglich bewusst oder lieb ist.

„anders artige“ Andere

Zum Thema „Anleitung zur Respektsperson“ empfehle ich jeder und jedem sich unter dem folgenden Link zum gleichnamigen Leitartikel des von mir seit Jahren sehr geschätzten Online Wirtschaftsmagazins „Brand Eins“ selbst ein sehr rundes und umfangreiches Bild zu machen: „Respekt ist Mangelware. Jeder will mehr davon haben. Doch der will erst mal verdient sein.“ https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2011/respekt/anleitung-zur-respektsperson

Anleitung zur Respektsperson

Langer Rede kürzester Sinn: ein Slimfit Anzug mit penibel geputzten Schuhen macht schon lange keine Respektsperson mehr, auch wenn das noch bis zu unseren Hälsen tief in den teilweise noch immer unerforschten Abgründen unserer gesellschaftlichen Konditionierungen zu stecken scheint. Das von mir immer unbeliebtere Wikipedia, weil es mir eben auch ein gesellschaftspolitischer Brainwash der vornehmlich Profit orientierten und menschlich immer öfter desorientierten Verfasser zu sein scheint, meint zum Thema „Respekt“ und „Respektsperson“ folgendes: Respekt (von lateinisch respectio ‚Rückschau, Einschätzung, Betrachtung‘, im Sinne von „Beurteilung“, über französisch respect ‚Hochachtung‘) bezeichnet eine Form der WertschätzungAufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen (Respektsperson) oder einer Institution. Eine Steigerung des Respektes ist die Ehrfurcht, etwa vor einer Gottheit.

Respekt, eine natürliche Eigenschaft unter gleichwertigen und gleichwichtigen Partnern

Der von mir persönlich ob seiner Aufgeschlossenheit und Klarheit gegenüber gesellschaftlichen Prozessen sehr geschätzte Unternehmer „watchado Gründer“ und europäischer Jungendbotschafter Ali Malodji hat vor kurzem auf seiner Linkedin Seite sehr erfrischend folgendes gepostet:

Die innere Freiheit die keiner sieht

In meiner Jugend habe ich gehört dass man in der Arbeitswelt nicht so rumlaufen kann wie man es wirklich möchte sondern so wie es die Kunden wollen oder eben der Arbeitgeber. Einer der Gründe, warum ich unbedingt mein eigenes Ding machen wollte war, dass ich mein Äußeres nicht davon abhängig machen wollte was jemand anderem gefällt oder nicht. In erster Linie muss ich mich wohl fühlen sonst kann ich nicht für andere Menschen da sein und wenn ich etwas anziehe wo ich mich ständig verstellen muss und das Gefühl habe ich bin ein Schauspieler, dann verleugne ich mich selbst.

„watchado“ Gründer und europäischer Jugendbotschafter Ali Malodji

Heute arbeite ich mit Top-Entscheidern, Vorständen und internationalen Politiker_innen auf Augenhöhe und das ungeachtet davon welche Klamotten ich anhabe und wenn das eine HipHop Hose ist. Was auf den ersten Blick für die anderen Menschen locker und lässig wirkt war zehn Jahre Kampf um so wahrgenommen zu werden.

eins zu eins – Foto © Markus Thums

Genau diese Wahrnehmung kann ich eins zu eins aus eigener Erfahrung und aus selbst Erlebtem bestätigen: In meinem Kasten hängen zwei halbherzige Anzüge, die ich bis zum heutigen Tag kaum bis nie anziehe bzw. anziehen „musste“. Ein Nadelstreifanzug aus dem Jahre Schnee und ein grauer Sommer Anzug, den ich, wenn überhaupt, auch immer nur mit Sneakers trage. Als Musiker, Produzent, Artist und Projekt Developer und Manager als auch als freier Universitäts Lektor kann man die Tage, an denen ich in Anzügen unterwegs war und bin, locker an einer Hand abzählen. In den Klamotten, in denen ich mich wohl fühle, durfte ich Bundespräsidenten kennen lernen, für die von mir betreuten Künstlerinnen und Künstler mit den Top CEO,s von Universal, EMI und Sony Deutschland wirklich hoch dotierte Platten- und Verlagsverträge verhandeln, mit den Marketing Chefs von grossen, internationalen Banken Kooperationsverträge ausverhandeln, mit Künstlern von Woody Shaw über Freddie Hubbard über George Clinton und Parliament Funkadelic, Anna F. und Lenny Kravitz bis zu Café Drechsler auf den grössten und kleinsten, berühmtesten und feinsten Bühnen und Studios dieser Welt arbeiten und auftreten dürfen, und bis zum heutigen Tage hat mich je jemand weder nicht respektiert noch mich gefragt, wo denn mein Anzug oder meine Lackschuhe geblieben seien.

„mein“ Präsident

Wenn sich dann auch noch die anscheinend für die Ausstattung aller im ORF auftretenden Moderatoren und Co. zuständige Dame heute im Morgenjournal, welches ich noch kurz vor der ZIB um 7:00 erhaschen durfte, bemüssigt fühlt, dem neuen Gesundheitsminister, der ja nicht Designerminister ist, seinen Outfit bei seiner Angelobung vorzuwerfen, aber zugleich die ModeratorInnen sowie auch all zu oft die im ORF auftretenden KünstlerInnen dazu nötigt, in den unvorteilshaftesten, schrecklichsten, abscheulichsten und dämlichsten Klamotten ever aufzutreten, wofür ich sie schon vor langem fristlos gefeuert hätte, bleibt mir schon mal mein Wahrnehmungszentrum mit grossem Staunen und offenem Mund in Anbetracht solch offensichtlich täglich selbstverständlich gelebter Doublestandards stecken und stehen. Willkommen Österreich. Willkommen bei den uneingeschränkten Motschkertanten Weltmeistern.

Café Drechsler Fotoshooting, einer meiner halbherzigen Anzüge – Foto © Max Parovsky

Zum heutigen Earth Day darf ich noch folgende fantastische, faszinierende und zugleich erschreckende Nachricht meines Freundes Moreau mit euch teilen, damit wir bitte ob der ganzen Haarspalterei nicht vergessen, was heutzutage tatsächlich unsere Themen und Herausforderungen sind:

Earth Day 2021:
Eine der umfassendsten Dokumentation der Veränderungen auf der Erde ist nun der Öffentlichkeit zugänglich.
24 Millionen Satelliten-Aufnahmen aus 37 Jahren zeigen die globalen Veränderungen – Abschmelzen der Gletscher und Rückgang der Regenwälder in enger Zusammenarbeit zwischen Google Earth, ESA, der Europäischen Kommission, der NASA und der amerikanischen Behörde US Geological Survey
Die Zeitraffer Ebene in Google Earth gibt es für jeden beliebigen Ort der Erde & mit wesentlicher Unterstützung der Copernicus Sentinel Flotte. 🌍 Sehenswert & schonungslos. ℹ️ – so ist eine neue Ansicht unseres Heimatplaneten entstanden, mit der man Veränderungen im Zeitraffer nachverfolgen kann.

it’s earth day

Link zur neuen Ansicht unseres Heimatplaneten: https://bit.ly/3tq4wu3

Viele liebe Grüße!
Moreau

back in the dayz in legeren Klamotten mit Christoph Bernewitz, Anna F. und Clueso

Veröffentlicht von

pimpmyband11

Alexander A. Deutsch UMAN United Music Angels Network moerdermusic productions & international artist development music . consulting . production . lectures . kick ass drums https://pimpmyband.live www.cafedrechslerband.com www.bartolomeybittmann.at www.facebook.com/alexander.a.deutsch

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