#138 „Solange wir glauben, alles im Aussen suchen zu müssen, werden wir uns nie – zu recht – finden…“

Wir leben nicht nur im sogenannten „Informationszeitalter“, dem Zeitalter mit für alle und jeden riesigen, gigantischen, unverdaubaren Bergen an Informationen, was aber eben keinesfalls mit Wissen gleichzusetzen ist – daran mangelt es wie auch an Weisheit chronisch und eklatant, nicht zuletzt , weil man uns die Freude und die Lust am Lernen von Grund auf vermiest und verdorben hat – sondern auch im Zeitalter der Ablenkung und Umleitung, des „viel Lärm um Nichts“, des Wettbewerbs, wo es zumeist weder etwas zu wetten noch zu gewinnen gibt, auch wenn man als erster oder Schnellste im Niemandsland oder im Nirgendwo oder am Friedhof gelandet ist, in einer Leistungsgesellschaft, wo die Frage „wo war da eigentlich deine Leistung“ nicht nur symptomatisch sondern inzwischen aufgrund ihrer Absurdität typisch ist.

Niemands Land

Die wenigen Reichen werden rasant reicher und dafür immer weniger und „arbeiten“ zugleich immer noch weniger bis gar nicht mehr, die Armen werden reziprok rasant ärmer und immer mehr und inzwischen zahlloser denn je zuvor und arbeiten auch immer längere Stunden und mehr als je zuvor, viele schuften sich buchstäblich zu Tode, nur um irgendwie „über die Runden zu kommen“, was auch immer das tatsächlich heissen mag. Die Spaltung und deren geschickt provozierte und sorgfältig ausgebaggerte Meinungskrater und scheinideologischen Schluchten, in die wir immer ungeschickter hineintappen und uns davon auffressen und von ihnen ohne Zweifel verschluckt zu werden bereit zu sein scheinen, werden immer tiefer, die Datenhighways immer undurchsichtiger aber schneller, die immer mehr zu Konsumenten transformierten und mutierten Menschenkinder immer durchsichtiger und träger, die 5G Netzabdeckung wird immer dichter und stärker, unser Bewusstsein , dass wir unter all dem Wahnsinnsradar alle mit allem verbunden sind immer verblassender und schwächer, die Digitalen Autobahnen nach nirgendwo immer breiter und der schmale Grad, in Anbetracht all dieses Irrsinns noch einigermassen in Würde ein erfülltes Menschenleben verbringen zu dürfen, scheinbar immer schmäler bis verschwindend gering.

der schmale Grad

In Wahrheit sind wir alle zu einem riesengrossen, vormals bunten, inzwischen betongrauen, fahlen Haufen individueller gepimpter, gieriger, verZweifelter, hoch effizienter und optimierter, mit allen Wassern gewaschene und durch sämtliche Konzepte , Kurse und Coaches getriebene Unglücke verkommen, die sich zwar so schnell wie noch nie zuvor von A nach B bewegen, das allerdings vor allem gedanklich, aber kaum eine weiss mehr wirklich, wozu, wohin und warum wir am Ende des Tages gewonnen, am Ende eines gestressten, ausgepowerten, immer öfter unglücklichen und unerfüllten Lebens voller Zwänge, Ängste, Sorgen, Schnäppchen und Sonderangebote, Versprechen, Lügen und Erwartungen, Sehn- und anderen Süchten überhaupt hier an- und grösstenteils hauptsächlich abwesend sind. Ein Menschenleben, an dem es nach dem Tod auch immer noch hundert tausend Dinge „zu tun“ und zu „erledigen“ gegeben haben mag, nur haben wir uns immer schneller und effizienter und optimierter vorher schon lange erfolgreich selbst erledigt.

…Leben…..

Jetzt könnte man natürlich annehmen und meinen, dass die meisten von uns im „Aussen“, in der Ablenkung und Umleitung gefangen seien: In meiner bescheidenen Beobachtung und Wahrnehmung scheinen sich viele von uns aber zugleich auch immer weiter von einem gesunden Innenleben und einer bewussten, inneren Wahrnehmung und Erlebens, welches uns in erster Linie zu Menschen macht, gleichermassen im Beziehungsstatus „es ist kompliziert“ herumzutreiben, also weder im Aussen noch bewusst im Innen zu Hause zu sein, sprich nirgendwo, am ehesten noch im virtuellen Raum des digitalen Wahnsinns. Also quasi bewusstlos, verkabelt, verstöpselt, abgelenkt, getrieben und dauergestresst im Aussen als auch zugleich unbewusst, verzweifelt und verheddert im ewigen Hin- und Hergeschubse durch unsere Ego Minds und unseren, inzwischen zu einem intellektuellen Monster aufgeblasenen, alles evaluierenden und immer besser wissenden Verstand. Nur „Innen“ ist nicht nur das Hirn, innen sind auch „das Herz und eine Seele“.

…..und eine Seele

Denn wären wir tatsächlich wahrhaftig, bewusst, hellwach und glasklar fähig unser Aussen so bewusst wahrzunehmen und zu „sehen“, so wären wir womöglich auch in der Lage zu erkennen, zumindest zu vermuten, wie der äussere Wahnsinn, all diese Zerstörung und Vernichtung der Natur, tausender Arten und Verachtung jedes Lebens inklusive dem eigenen, und damit auch dem Leben der und des Nächsten, die und der inzwischen zum „Anderen“ mutiert ist – was uns auch Angst macht – die und das und der Andere – in Wahrheit unsere innere Zerrissenheit, Unruhe, Ängste, Zwänge, Unsicherheit, unser getrieben werden, unseren Lärm, ja den eigentlichen Irr – Sinn, Krankheit und damit unser aller kollektives Unglück spiegelt.

der schmale Pfad

Die Fixierung auf ein lautes, rasendes, drängendes, grelles, brüllendes, uns fast alle permanent vereinnahmendes Aussen hat, vor allem auch, in Sachen Bildung und Gesundheit eine ernüchternde Richtigkeit und traurige Gültigkeit. Mein derzeitiger Lieblingsautor Fabian Scheidler meint dazu in seinem genialen Buch „Der Stoff aus dem wir sind“, auf das ich schon mehrmals hinweisen durfte, sehr ins Schwarze treffend, folgendes:

Eine neue Sicht auf Bildung und Gesundheit „Die Perspektivenverschiebung hat weitreichende Konsequenzen für viele gesellschaftliche Bereiche. In der Bildung etwa bedeutet es, die Vorstellung aufzugeben, Lernen bestehe darin, vorgefertigtes Wissen von einem Wissensinhaber zu einem Empfänger zu transferieren, ein Irrtum, der noch immer einen beträchtlichen Teil unseres Schulsystems prägt.

Perspektivenverschiebung

Wie schon der französische Humanist Francois Rabelais im 16.Jahrhundert bemerkte, sind Kinder keine Gefässe, die gefüllt, sondern Feuer, die entfacht werden wollen. Lernen findet vor allem dann statt, wenn Menschen ein authentisches Interesse an Dingen entwickeln – wenn also ihre Innenwelten beteiligt sind -, und dieses Interesse entsteht meist in Beziehungen zu anderen Menschen, die etwas Interessantes tun. Lehrpläne durchzuexerzieren, deren Sinn kinder (und auch viele Erwachsene) kaum verstehen, gehört aus Sicht der Kinder (auch aus meiner sic!) oft nicht zur Kategorie der interessanten Tätigkeiten.

Um diesen Mangel zu kompensieren, muss die Schule daher auf Zwangsmittel setzen: Benotungen, Ermahnungen, Sitzenbleiben, Angst,. so wird zwar nur wenig über die Welt gelernt, aber dafür eine entscheidende Lektion über die Funktionsweise unserer Gesellschaft: Fragt nicht nach dem Sinn und tut, was euch gesagt wird. Auf diese Weise produziert unser Bildungssystem Jahr für Jahr Millionen von entfremdeten Menschen für eine entfremdete Welt. Die Versuche, andere Formen von Lernen und Schule zu entwickeln, wie sie seit über 100 Jahren in verschiedenen Ansätzen der Reformpädagogik unternommen werden, sind vor diesem Hintergrund von entscheidender Bedeutung, um die Große Trennung zu überwinden.

Feuer entfachen

Aber nicht allein die Formen, sondern auch die Inhalte der Bildung bedürfen eines Wandels. Naturwissenschaften etwa werden bis heute in Schulen und technischen Ausbildungen so unterrichtet, als ob es sich um abgeschlossene Wissensgebiete handele, in denen keine wesentlichen Fragen mehr offen sind. Doch genau das Gegenteil ist richtig: Einige der tiefreichendsten Fragen der Physik und Biologie sind nach wie vor ungelöst und möglicherweise sogar unlösbar. Mit jeder neuen Entdeckung nehmen nicht nur die Kenntnisse zu, sondern auch die Rätsel, und das oft in überproportionaler Weise: Der Bereich der Geheimnsisse wächst schneller als der des Wissens. Und selbst das, was zumindest im Ansatz erkannt werden kann, sprengt, wie etwa die subatomare Welt oder die Selbstorganisation in einer Zelle, unser Vorstellungsvermögen.

Angesichts dieser Lage wäre die angemessene Form der naturwissenschaftlichen Lehre eine Pädagogik des Staunens, die unseren Sinn für die Rätselhaftigkeit unserer Existenz und die Grenzen des Wissens schärft. Eine solche Pädagogik ist nicht nur wesentlich interessanter, weil sie zum Nachdenken anregt, sondern kann uns auch vor der tödlichen Hybris bewahren, zu glauben, wir hätten die Natur durchschaut und könnten sie uns untertan machen.

Pädagogik des Staunens

Die technokratische Weltsicht, die Innensichten systematisch ausblendet, hält sich auch in der Medizin mit erstaunlicher Hartnäckigkeit. Da man aber lebende Prozesse im Menschen ohne Berücksichtigung der Innensicht nicht wirklich verstehen kann, können auch Krankheit und Gesundheit nicht adäquat begriffen werden. Das Wort emotion kommt nicht zufällig von motion (Bewegung). Der emotionale Fluss ist ein entscheidender Faktor für die Geschmeidigkeit unserer Bewegungsorgane. Die Mechanik einer Maschine ist daher die falsche Metapher für unseren „Bewegungsapparat“, der tatsächlich gar kein Apparat ist, sondern teil einer geistig- emotional-kinetischen Einheit, die ihrerseits wieder untrennbar mit ihrer Umgebung verbunden ist. Wer heilen will, muss seine Aufmerksamkeit auf Störungen dieser gesamten Einheit lenken und nicht auf ein Detail verengen, das in seiner Isolation wie ein rein mechanisches Problem erscheinen mag.

das fatale Ausblenden der Innensichten

Würden wir die Millionen von seelisch leidenden Menschen in unserer Gesellschaft, die versuchen, sich durch den Konsum von Antidepressiva, Neuroleptika, Alkohol und anderen Drogen über Wasser zu halten, nicht als isolierte Fälle betrachten, sondern als besonders sensible Signalgeber, dann könnten wir wesentlich besser erkennen, was im Großen und Ganzen nicht stimmt, und entsprechend handeln. Doch die chemische Lösung tötet den Boten, bevor wir seinen Bericht überhaupt gehört haben.

An diesem Punkt konvergieren die scheinbar nur privaten, individuellen Fragen der körperlichen und geistigen Gesundheit mit den ökonomischen und politischen Herausforderungen. Denn wie sollen Menschen , wenn sie die Symptome der gegenwärtigen Krisen beständig in sich unterdrücken, in die Lage geraten, die dahinterliegenden Ursachen zu erkennen, aus ihrer Isolation herauszukommen und gemeinsam handlungsfähig zu werden? Schon aus diesem Grund ist die Sphäre der Innenwelten nicht von den grossen Menschheitsfragen zu trennen. Die Leiden an der Entfremdung ernst zu nehmen und den verdrängten Innenwelten eine Stimme zu geben, ist eine eminent politische Haltung, ohne die ein Tiefenumbau der Gesellschaft nicht gelingen kann.

den Innenwelten eine Stimme geben

Wer wir sind, bleibt offen

Der grösste Feind der Erkenntnis ist die Illusion des Wissens. Der Sinn diese Buches („Der Stoff aus dem wir sind“) ist es, in die Wand unseres eingebildeten Wissens eine Bresche zu schlagen, eine Öffnung, die uns erlaubt, die Welt und uns selbst wieder mit jenem staunenden Blick zu betrachten, der Kindern oft eigen ist. Der technokratische Mythos erzählt davon, dass die Welt unserer Wahrnehmungen, unserer Gefühle, unserer erlebten Beziehungen eine Vorspiegelung sei, in der sich eine harte, kalte, mechanische und letztlich banale Wirklichkeit verberge. Doch tatsächlich ist genau das Gegenteil der Fall: Die Banalität, die Kälte, die Mechanik – all das sind nur Projektionen unserer gesellschaftlichen Prägungen auf eine Welt, die zutiefst rätselhaft ist und sich einer mechanischen Erklärung vollkommen entzieht.

der technokratische Mythos

Wer und was wir sind, ist heute um keinen Deut weniger geheimnisvoll als zur Zeit der ersten Menschen. Die Wissenschaften haben dieses Rätsel nicht gelöst, sondern vertieft. Um die Worte des Quantenphysikers Richard Feynman zu wiederholen: „Die Wissenschaft kann dem Mysterium einer Blume nie etwas wegnehmen, sondern nur etwas hinzufügen.“ Das Rätsel etwa, dass aus einer winzigen Zelle ein menschliches Wesen wird, das in sich ein eigenes Universum aus Gedanken, Gefühlen, Bildern und Musik entwickelt, wird durch unsere Kenntnisse aus der Biologie und Quantenphysik keineswegs gelüftet, sondern im Gegenteil um das Staunen darüber bereichert, wie unvorstellbar komplex und reich selbst das kleinste Detail unserer Existenz ist. Das selbstorganisierte Zusammenspiel von unzähligen Teilen im harmonischen Ganzen einer Zelle stellt jede Symphonie weit in den Schatten. Oder um es anders zu sagen: Dass Menschen Musik schaffen und wahrnehmen können, ist ein Spiegel der Tatsache, dass sie selbst aus etas bestehen, das der Musik ähnlich ist.

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pimpmyband11

Alexander A. Deutsch UMAN United Music Angels Network moerdermusic productions & international artist & project development music . consulting . uncoaching, production . lectures . kick ass drums https://pimpmyband.live www.cafedrechslerband.com www.facebook.com/alexander.a.deutsch https://eiblinskidrums.com/2018/07/19/im-gespraech-mit-alex-deutsch we are the seeds of awakening in a sleeping world So, Don't Sleep!!!

3 Gedanken zu „#138 „Solange wir glauben, alles im Aussen suchen zu müssen, werden wir uns nie – zu recht – finden…““

  1. Diese wunderbaren Naturbilder, welche der Verfasser dieser aufrührenden Zeilen beilegt, sind für mich ganz persönlich massgebend – für mein Weiterexistieren – da die Pflanzenwelt mein Leben und Erleben ist und sind – – – dazu habe ich anzufügen – bin mit dem Verfasser, ein Herz und eine Seele – danke lieber Sohn Alexander – – –

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