#158 „Alter“

Titelbild © Prof. Ing Anton Deutsch, von meinem leider schon verstorbenen Vater, der nicht nur ein leidenschaftlicher Fotograph, sondern auch ein begeisterter Wissenschaftler, Forscher, Agrarbiologe, Erfinder und begeisternder Pädagoge war.

Wenn man sich morgens im Spiegel sieht, und man vergleicht das Spiegelbild möglicherweise mit einem 20, 30 – 40 Jahre alten Foto, kann man die direkten Auswirkungen der Zeit auf seinen Körper sehr leicht erkennen. Man wird ja nicht notgedrungen hässlich, vor allem je weniger man sich mit seinem Äusseren zu identifizieren weiss. Wenn man älter wird vergleicht man sich ja möglicherweise immer weniger mit seinem Äusseren als mit der uns eigenen, inneren Präsenz. Und diese Präsenz, dieses im Hier und Jetzt in sich Ruhen schimmert, strahlt und leuchtet durch jede vergängliche Form und Gestalt , was oft wirklich wunderschön sein kann.

morgens vor dem Spiegel…..

Es besteht allerdings ein grosser Unterschied zu der Schönheit, als man noch 20 Jahre alt oder jünger gewesen ist, wie ein knackfrisch vom Baum gefallener, saftig runder, glänzender prallroter Apfel oder Pfirsich. Diese Schönheit hält sicher nicht ewig. Es gibt eben diese tiefe Schönheit, die wir vor allem bei Menschen entdecken können, die mit ihrer eigenen Präsenz verbunden sind. Diese Menschen können tatsächlich nie wirklich hässlich werden. Aber wenn man ausschliesslich auf die physische, äussere Form fixiert ist, dann kann es sehr wohl sehr leicht passieren, dass man sich sehr wohl als hässlich empfindet.

es gibt diese tiefe Schönheit…..

In unserer sogenannten Zivilisation wird das Alter in keinster Weise geschätzt. Deshalb fühlen sich älter gewordene Menschen oft irrelevant, von keiner Bedeutung, oder sie werden zumindest als irrelevant eingestuft, abgeschasselt und angesehen. In unserer Gesellschaft wird das Alter auch nicht mit Weisheit in Zusammenhang gebracht, weil unsere heutige, westliche Gesellschaft und Zivilisation weiss ja nicht einmal mehr, was Weisheit überhaupt ist oder sein soll. Man misst ihr jedenfalls keinen grossen Wert bei. Schlauheit und mit allen Wassern gewaschen zu sein allerdings sehr wohl. Ein hoher Intelligenzquotient kann angeblich auch was, und was immer sonst noch, aber Weisheit? Wie oder wonach soll man Weisheit denn messen oder beurteilen können? Was soll das denn überhaupt sein?

Weisheit? was soll das denn überhaupt sein ?

Aber das wird sich wohl sehr bald ändern gedurft haben. In den traditionellen, alten, antiken Kulturen sind die Älteren nicht ohne Grund immer die wichtigsten Menschen gewesen. Und in unseren westlichen Gesellschaften sind die Alten leider viel zu oft irgendwo in einem Heim gelandet, wo man sie ein- bis zweimal im Monat besuchen darf und kann. Und dort sitzen sie dann in ihren Schaukelstühlen vor der Glotze und schauen fern, ohne sich der Chancen und Möglichkeiten des Alters und des älter Werdens bewusst zu sein. Weil es Ihnen einfach niemand sagt oder je näher gebracht hat.

die Chancen und Möglichkeiten des Alters

Vor ein paar Tagen hatte ich , den ja auch sein eigenes älter Werden auf diverse Zurufe von Aussen, mal da mal dort, hin und wieder gezwungenermassen in Massen beschäftigt, obwohl ich mit mir selbst überhaupt kein Problem damit habe und mein Alter in vollen Zügen geniesse, ein paar markante Erlebnisse in diesem Zusammenhang: mit meiner Liebsten hatte ich vor ein paar Wochen bei unserem gelegentlichen Morgencappuccino vor dem Eissalon Bortolotti das Vergnügen, eine extrem strahlende, wunderschöne alte Dame namens Isolde kennen lernen zu dürfen, die vor ihrer wohlverdienten Pension wohl Souffleuse im Burgtheater gewesen war. Vor zwei Tagen hatten wir uns, sie und ich, genau dort wieder getroffen und sie bot mir einen Sitzplatz an ihrem Nebentisch an und im Nu waren wir wieder in wundervolle Gespräche vertieft.

in wundervolle Gespräche vertieft

Sie erzählte mir, dass sie vor ein paar Tagen mit der U-Bahn gefahren war, mitten unter lauter jüngeren und zum Teil sehr jungen Menschen. Beim Aussteigen war sie wohl ausgerutscht und hingefallen und niemand, kein einziger, niemand bot sich an, der alten Dame zu helfen und alle rannten voll gestresst, genervt, sie keines Blickes würdigend, vollkommen acht- und gefühllos an ihr vorbei, worauf sie in schallendes Gelächter ausgebrochen war und meinte: „Wo bin ich hier eigentlich gelandet?“ Und sie fragte mich in dem Zusammenhang, was ich denn glaube, in welcher Zeit wir eigentlich gerade leben? Ich meinte: „offensichtlich in einem heimtückischen, sehr raffiniert und professionell be- und getriebenen Manipulations – Zeitalter der radikalen Gefühls- und Potential Vernichtung, egal ob bei den Jüngsten und Jungen in der Schule angefangen in einer einzigen Katastrophe, die wir uns allen Ernstes noch immer „Bildung“ zu nennen anmassen und getrauen, gegenseitiger Nicht Wertschätzung und Missachtung, weil die meisten ja selbst glauben bzw. oft schmerzhaft bereits im Kindergarten lernen mussten, nicht genug, nicht gut genug, nicht wert- oder liebenswert zu sein bis hin zu den Älteren und Alten, deren Weisheit, Skills und Erfahrung oft in Zwangspensionierungen und in Altersheimen vollkommen missachtet, für unsere Gemeinschaft vollkommen ignoriert und ungenutzt vor unser aller Augen weggesperrt sinnlos vor sich hin vegetieren müssen.

wo bin ich hoer eigentlich gelandet?

Andere Geschichte: Eine Freundin hatte sich netter Weise bereit erklärt, mich auf ihrem Nach Hause Weg nach dem Besuch bei einer ihrer Freundinnen von einem Seminar in ihrem Auto mit nach Hause zu nehmen, mit ihren beiden Jungs im Auto. Der ältere der Beiden, der wohl gerade zusätzlich noch hart an der Pubertät entlang schrammt, weigerte sich hartnäckig, sich im Auto nach hinten zu setzen und mir den Beifahrerplatz zu überlassen, obwohl ich ihn durchaus freundlich darum gebeten hatte.

Also wechselte ich in Absprache mit meiner Freundin auf den Fahrersitz, in der Annahme, das er dann wohl seiner Mutter vorne Platz machen würde. Falsch gedacht. All das interessierte Ihn nicht die Bohne und er blieb bockig und stur auf „sein angeblich ebenbürdiges Recht“ pochend und beharrend trotzig vorne sitzen. Nach ein paar Kilometern blieb ich nochmal stehen und bat ihn, doch seiner Mutter, die ja weder seine Dienstmagd, Putzfrau oder Köchin, noch sein Chauffeur, sondern die Frau, die ihm dieses, sein wundervolles Leben ´geschenkt hatte, war und wahrhaftig ist, doch bitte seinen Platz zu überlassen. Keine Chance und null Erfolg.

wo ist unser Platz?

Das liess mich, zugegeben, etwas hilf- und ratlos zurück, bis ich nach etlichen weitern Kilometern das Auto bei einem Restaurant parkte, den Motor abstellte und sagte: Wir fahren hier keinen Millimeter weiter, ehe man sich nicht besonnen hat, sich nicht wie ein A-loch benehmen zu müssen, auch wenn ich weiss, dass niemand eines ist, und man sich klar geworden ist, wo man seinen Platz in dem Bild hat und man mal in Ruhe darüber nachgedacht hat, was Würde und Wertschätzung bedeutet. Sie können uns jederzeit auf etwas zu trinken oder zu essen besuchen, aber solange das nicht unmissverständlich klar ist, fahren wir keinen Meter weiter. Eine knappe Stunde später wussten plötzlich alle, wo sie hin gehören und was ihr Platz ist.

Ist das wirklich der Fortschritt, von dem alle permanent reden und wohin schreitet dieser auf einer rein menschlichen Ebene denn fort und unserer Menschlichkeit davon? Nicht auf den digitalen , virtuellen Autobahnen nach Nirgendwo meine ich, sondern auf dem schmalen, anscheinend steinigen und beschwerlichen Pfad in die Essenz unseres Mensch seins, Würde, Wertschätzung und liebevoll zu sich und den anderen zu sein inbegriffen. Vor allem: wohin soll diese mehr als merkwürdige würdelose Reise denn letzen Endes in Wahrheit gegangen sein??

Darf ich zum Schluss vorstellen: Madame Jeanne Louise Calment, die nachweislich die längste menschliche Lebensspanne hatte: 122 Jahre und 164 Tage.

Offenbar war das Schicksal mit ihrem Lebenswandel sehr einverstanden.

Sie wurde am 21. Februar 1875 in Arles, Frankreich, geboren. Der Eiffelturm wurde gebaut, als sie 14 Jahre alt war. Zu dieser Zeit lernte sie Vincent van Gogh kennen. „Er war schmutzig, schlecht gekleidet und unsympathisch“, erinnerte sie sich in einem Interview von 1988.

Mit 85 Jahren begann sie mit dem Fechten und fuhr noch mit 100 Jahren Fahrrad. Mit 114 Jahren spielte sie die Hauptrolle in einem Film über ihr Leben, mit 115 Jahren wurde sie an der Hüfte operiert, und mit 117 Jahren gab sie das Rauchen auf, mit dem sie 1896 im Alter von 21 Jahren begonnen hatte. Sie gab es nicht aus gesundheitlichen Gründen auf, sondern weil sie es nicht mochte, jemanden bitten zu müssen, ihr beim Anzünden einer Zigarette zu helfen, nachdem sie fast blind war.

Im Jahr 1965 war Jeanne 90 Jahre alt und hatte keine Erben. Sie unterschrieb einen Vertrag über den Verkauf ihrer Wohnung an den 47-jährigen Rechtsanwalt André-François Raffray. Er erklärte sich bereit, ihr monatlich 2.500 Francs zu zahlen, unter der Bedingung, dass er die Wohnung nach ihrem Tod erben würde. Raffray zahlte jedoch nicht nur 30 Jahre lang an Jeanne, sondern starb auch noch vor ihrem Tod im Alter von 77 Jahren, so dass seine Witwe gesetzlich verpflichtet war, Madame Calment bis an ihr Lebensende zu bezahlen.

Jeanne behielt ein scharfes Denkvermögen. Als sie an ihrem 120. Geburtstag gefragt wurde, was für eine Zukunft sie erwarte, antwortete sie Ihre Antwort: „Eine sehr kurze“.
Hier sind die Lebensregeln von Jeanne Louise Calment:

„Ich liebe den Wein.“
„Alle Babys sind schön.“
„Ich glaube, ich werde vor Lachen sterben.“
„Ich bin vom lieben Gott vergessen worden.“
„Ich habe nur eine Falte, und auf der sitze ich.“
„Ich trage nie Wimperntusche; ich lache oft, bis ich weine.“
„Wenn du etwas nicht ändern kannst, mach dir keine Gedanken darüber.“
„Behalte immer dein Lächeln. So erkläre ich mir mein langes Leben.“
„Ich sehe schlecht, ich höre schlecht und ich fühle mich schlecht, aber alles ist in Ordnung.“
„Ich habe einen großen Lebenswillen und einen großen Appetit, vor allem auf Süßigkeiten.“
„Ich habe eiserne Beine, aber um ehrlich zu sein, fangen sie an zu rosten und knicken ein wenig ein.“
„Ich habe mich vergnügt, wenn ich konnte. Ich habe klar und moralisch und ohne Reue gehandelt. Ich bin sehr glücklich.“
„Jung zu sein ist ein Geisteszustand, er hängt nicht vom Körper ab. Ich bin eigentlich immer noch ein junges Mädchen, ich habe nur in den letzten 70 Jahren nicht mehr so gut ausgesehen“.

Am Ende eines Interviews sagte der Journalist: „Madame, ich hoffe, wir sehen uns im nächsten Jahr wieder“. Darauf antwortete Jeanne: „Warum nicht? Sie sind noch nicht so alt, Sie werden noch hier sein!“

Das Bild mit den Flügeln ist ein Kunstwerk von
L. Lichtenfells

Veröffentlicht von

pimpmyband11

Alexander A. Deutsch UMAN United Music Angels Network moerdermusic productions & international artist & project development music . consulting . uncoaching, production . lectures . kick ass drums https://pimpmyband.live www.cafedrechslerband.com www.facebook.com/alexander.a.deutsch https://eiblinskidrums.com/2018/07/19/im-gespraech-mit-alex-deutsch we are the seeds of awakening in a sleeping world So, Don't Sleep!!!

Ein Gedanke zu “#158 „Alter“”

  1. Diese – Geschichte erfasst mich . sehr – was sag ich denn dazu – mein schwacher Weg , Ausweg aber ein Weg, den es immer gibt, ich habe vom ältesten Sohn dieser jungen Frau, Mutter dieses jungen Menschen, der sich ausprobiert, wieweit er sich noch verrennen will, weder Mitleid, jedoch Zuneigung und man möge ihm ausrichten, ich bin nicht sein Feind und mein Sohn Alexander hat auch einen Sohn,welchen er auch kennt, über diesen Sohn nachdenken – niemand ist sein Feind er ist sein eigener Feind nach meiner Meinung soll er über sich urteilen – es wird alles besser und sage mir – ichweiss nicht DeinenNamen – lachen wir darüber – über Deinen Zuatand und nicht über Dich – Sei Du auch mein Freund –

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