#9 make mistakes – Chancen, Sinn und Geschenke des Fehler Machens

Kreativität…                                                                                                                                       …ist der Mut, Fehler zu machen. Es ist das schöne Prinzip von ‚Versuch und Irrtum‘. Das Gegenteil ist Konformität. Die mag gelegentlich angebracht sein, um sich nicht um Kopf und Kragen zu bringen – bringt einen aber nicht wirklich bis überhaupt nicht voran. Wer permanent Angst hat, Fehler zu machen, sperrt sich am Besten jetzt für den Rest der Tage auf diesem Planeten im Klo ein und wartet bis es vorbei ist, und selbst da kann noch einiges schief gehen

Warum lernen wir das nicht in der Schule? Fehler machen ist erlaubt? Wirklich?! JA!!!!! Fehler Machen, Versagen, ja sogar Scheitern ist nicht nur erlaubt sondern auf dem Weg zu einem  erfolgreichen Leben schlicht und einfach unumgänglich.                                    „In meiner Karriere habe ich über 9000 Würfe verfehlt. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 Mal wurde mir der spielentscheidende Wurf anvertraut und ich habe ihn nicht getroffen. Ich habe immer und immer wieder versagt in meinem Leben. Deshalb bin ich erfolgreich.“ – Michael Jordan, einer der legendärsten amerikanischen Basketballspieler ever.

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1998 bekam ich einen Anruf von der EAV, deren Gründungsmitglied und Drummer Anders Stenmo 3 Tage vor Tourneebeginn mit über 30 Konzerten durch A/DE/CH bedauerlicherweise gerade einen Gehörsturz erlitten hatte und man vor der Alternative stand: entweder die Tour abzusagen oder man fand einen Verrückten, der sich in 3 Tagen die über 2 1/2 Stunden dauernde Show mit allen Cues und dem üblichen Schlagzeugkram reinzog, 2 x probte und dann mit ihnen die Tour bestritt. Langer Rede kurzer Sinn: ich war der Verrückte.                                                                                                        Und da sass ich nun, zirka eine Woche später, in einem ausverkauften Konzertsaal in Stuttgart Seite an Seite mit meinem kongenialen Kollegen und Freund Leo Bei am Bass, hatte meinen Schummelzettel, den ich bis dato mit verschiedenen Kurzinfos wie Tempowechsel und Songreihenfolgen inklusive Grooves Abend für Abend verwendete, entsorgt und begann volle Kanne mit der Drum Intro zum 6.Lied des Konzertabends, bis auf die Eins niemand von der ganzen Band einsetzte. Ich nahm einen neuen Anlauf zum, wie ich dachte, 6. Song und mitten drin lief es mir kalt und heiss über den Rücken weil ich in der Sekunde erkannte, dass ich den falschen Song gestartet hatte und deshalb niemand mit mir losgelegt hatte. Im selben Moment sprang ich auf, schrie laut „Scheisse“ und warf meine Drumsticks weit in das überraschte Publikum, worauf ich, glaubt es mir bitte, eine Standing Ovation des gesamten Konzertsaales von weit über 5.000 Menschen und das schallende Gelächter der alten EAV Hasen zu Spüren und zu Hören bekam.                  Nach dem Konzert kamen zahllose Menschen Backstage und „bedankten“ sich bei mir da sie nun wussten, dass hier nicht alles Playback, sondern tausend Prozentig echt war und sie diesen Umstand liebten und die EAV nicht zuletzt deshalb noch mehr in ihr Herz schlossen – mein Resumeé: wenn Du in der Lage bist, Deine sogenannten „Fehler“ in der Sekunde, in der sie passieren, zu umarmen und sie anzunehmen, wird Dir nie etwas Unangenehmes passieren. Ganz im Gegenteil: Du bist nicht vor Schreck und „Schuld“ gelähmt, Du hast die Chance zu reagieren, zu agieren, etwas kreatives daraus zu machen, einen Weg zu gehen, den Du noch nie gegangen bist und freiwillig womöglich nie gegangen wärest, oder eben schlicht und einfach aufzustehen und zu sagen: tut mir leid, i fucked up – shit happens.

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mit Leo Bei auf einer EAV Tour nach einem Konzert im Kaufleuten Zürich

Wer Fehler negativ bewertet, nimmt sich die Chance, daraus zu lernen. Denn jeder Fehler birgt Entwicklungspotenzial, zeigen Gabriele Cerwinka und Gabriele Schranz in ihrem Ratgeber Fehler erlaubt (Linde Verlag) Oft stehen uns Gefühle wie Bestürzung, Angst, Scham, Wut oder auch Schuld im Weg, um konstruktiv mit Fehlern umzugehen. Dabei macht gerade das Eingestehen menschlich, bringt Sympathiepunkte, macht glaubwürdig und nachvollziehbar.

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Pink Inc. mit Delmar Brown, Jamaaladeen Tacuma und yours truly back in the days 😉 Foto © Gernot Muhr

Ich selbst betreibe bzw. bin seit über 30 Jahren leidenschaftliches Mitglied von Jam Bands aller Art, das sind Bands ohne fixe Song- oder Setlisten, ohne dezidierte Songs, ohne Vorgaben wie Noten oder andere Absprachen. Man spricht auf Tour über Gott und die Welt aber meistens überhaupt nicht über Musik, und man geht quasi „nackt“, also ohne Erwartung und auch ohne jegliche Vorgabe wie zum Beispiel „wer beginnt? in welcher Tonart spielen wir? wie schnell wird der erste Song? was ist die Setliste? wer hört auf ?“ also ohne all das, ohne Geländer und doppelten Boden im freien Fall auf die Bühne, im vollen Vertrauen , dass es toll wird, dass das immer geht und mit der einzigen Vorgabe, die Menschen zu berühren und/oder zum Tanzen zu bringen, voll und ganz, ohne ein Prozent Zweifel im Hier und Jetzt, ohne auch nur den Bruchteil einer Sekunde „nachzudenken“, was das ganze genau in diesem Sekundenbruchteil mit Sicherheit zum Einstürzen bringen würde. JA!!!! Das ist keine Angst vor Fehler Machen on a higher Level 😉 Das geht und ging mit Bands wie Pink Inc. mit Jamaaladeen Tacuma, George Garzone und dem leider viel zu früh verstorbenen Delmar Brown, oder mit unserer Band Café Drechsler, aber das geht auch mit Menschen und Musikern, die man überhaupt nicht kennen muss, in sogenannten Jam Situationen genau so. In meiner Wahrnehmung ist das Jetzt, die Ewigkeit des Augenblicks, die Magie und die Kraft des Moments mit allen Chancen und Möglichkeiten des Hier und Jetzt, des Augenblicks, dem Absoluten Vertrauen auf die eigene Intuition und der Intuition der Anderen nirgendwo klarer und stärker wahrnehmbar als in so einer Situation und ich liebe es und bin ewig dankbar dafür, das so und in dieser Form erleben und verinnerlichen zu dürfen.

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Café Drechsler bei einer live to Vinyl recording Session letztes Wochenende im genialen sowie vollkommen analogen Supersense Vienna

Wer Fehler abstraft, und da ganz besonders schon bei Kindern, raubt ihnen und beraubt sich nicht nur der Möglichkeit daraus zu lernen, er wird auch blind für das andere. Es geht nicht mehr nur darum besser als andere zu sein, sondern besser zu werden. Sich verbessern kann nur der, der in der Lage ist die eigenen Defizite zu erkennen. Ohne diese Erkenntnis ist Lernen unmöglich. Fazit: Ohne Fehler bleibt nur, wer nichts tut 😉 cheers, euer aX

Zum Abschluss noch ein Konzerthinweis: kommenden Sonntag, 19.11. , 19:30 mit Café Drechsler im , wie Uli zu sagen pflegt, schönsten Konzertsaal Wiens, im Muth. http://www.facebook.com/events/713716622154493/

Beitragsfoto : Stephan Kondert, bass motherfucker & aX im „Zweitbesten“ Wien

 

 

 

#8 wer finanziert die Miete, die SVA und die Butter auf’s Brot ???

Liebe Leute, ich wünschte ich könnte euch das nach über 40 sich immer schneller und radikal verändernden Jahren in vollkommener künstlerischer und wirtschaftlicher Selbstständigkeit als international arbeitender Musiker und Musikproduzent mit ungefähr 10 Jahren insgesamt paralleler Lehr- und Management- bzw. Artist Developmenttätigkeiten da und dort klipp und klar beantworten – kann ich aber nicht. Ja, so schauts aus – ganz ehrlich: ich weiss es manchmal selbst nicht. Versuchen wir es mal so: wo und was sind die realen Einnahmemöglichkeiten und deren realistische Grössenordnungen als Musiker aus meiner Sicht der Dinge.

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Foto @ Mirjam Koch

 

Als ich 1987 mit einem halben Stipendium des Berklee College of Music für ein Semester und einer Starthilfe der Fürst Dietrichsteinschen Stiftung als Mitglied des Wolfgang Muthspiel Trios, damals wirklich noch eine Pioniertat, in die USA ausgewandert bin, wusste ich ehrlich gesagt nicht wirklich, wie sich das trotz der erwähnten Unterstützungen finanziell ausgehen könnte. Mein Vorteil war, dass meine lieben Freunde Wolfgang Muthspiel und Peter Herbert, der Kontrabassist unseres Trios, schon ein Jahr vor mir nach Boston gegangen waren, und ich dadurch nicht vollkommen ins Blaue unterwegs war. Dass wir als Trio gleich im ersten Halbjahr 1988 den renommierten nationalen Down Beat Jazzwettbewerb als beste up and coming „US Nachwuchsband“ gewinnen konnten war natürlich auch kein Nachteil in Sachen Aufmerksamkeit und Bekanntheit in den USA.

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Spannend wurde es im nächsten Semester, der Förderpolster war aufgebraucht, ohne volles Stipendium ging gar nichts und nach einem kurzen Heimaturlaub startete ich mit 50 Dollar in der Tasche in eines meiner Abenteuer, welches mir für 8 Jahre eine neue zweite Heimat, zuerst in Boston und in Folge an der Lower Eastside in Manhattan schenken sollte. Ich bekam das volle Stipendium und nach einem weiteren halben Jahr Boston wurde ich als gigging Maniac Experte für Jüdische, Irische, Russische und Neu Englische Hochzeiten, war plötzlich heiss begehrt als sideman im Tuxedo bei allen möglichen SängerInnen und den dazugehörigen Hotel Lounge Gigs und arbeitete neben diversen Club- und Studiogigs mit einer der geilsten Bostoner Partybands Seite an Seite mit Tina Turners Saxophonisten, dem Basser des Geigers Jean Luc Ponty oder dem Sänger der Band „Boston“ und verdiente soviel Kohle wie nie zuvor und lange danach auch nicht mehr. Ein Jahr später beschloss ich nie mehr auf Hochzeiten oder in Hotellobbies aufzuschlagen und es ohne diese Einnahmequellen zu versuchen. Ich musste lernen, meinen eigenen Marktwert zu bestimmen und auszuloten, eine bestimmte Gage aufzurufen, und wenn man nicht bereit war, diese zu bezahlen, den Job nicht anzunehmen. So ging das damals – und heute? was geht heute Gagen – und Einkommensmässig ???

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Also die in jedem Fall aus meiner Sicht immer noch beste und bei entsprechendem Erfolg sicher auch lukrativste Idee ist eine eigene Band an den Start zu kriegen, sich um Konzerte in Clubs und Festivals zu kümmern, wo man in der Regel auch etwas mehr als die üblichen sidemangagen verdienen kann, die irgendwo zwischen 150.- bis 250,- Euro pro Konzert liegen, Songs oder tracks zu produzieren und idealerweise Airplaymässig in Sachen Radio positionieren (AKM, austro mechana und LSG Einnahmen , was bei richtigen Radiohits, auf Ö3 und ähnlichen internationalen Radiostationen wohlbemerkt, schon um einige Tausend Euro jährlich bedeuten kann, soweit die Produzenten Dich als Musiker der Produktion bei der LSG angemeldet haben!), Alben (möglichst günstig)  zu produzieren um sie bei Konzerten zu verkaufen, sich um Eventagenturen für diverse Firmenevents , so man das will, kümmern, Kontakte zu Filmfirmen, Film- und Theaterregisseuren sowie Werbeagenturen pflegen in Sachen soundtracks und Theatermusik, was auch durchaus lukrative Einnahmequellen sein können. Die streaming Entgelte kann man getrost so gut wie komplett vergessen. ( 1 Million streams = ca. 800.- Euro, 100.000 streams = ca. 80 Euro , 10.000 streams = ca. 8 Euro )

dazu noch folgender hilfreicher Artikel     http://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/welche-gage-kann-ich-verlangen.html

Hier gibt es Produktionsförderung: http://www.musikfonds.at/de/Foerderungen-Einreichen/Produktionsfoerderung/Wie-einreichen.htm

und wenn alle stricke reissen: http://www.ksvf.at/

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Foto: Anna F. © Mirjam Koch

 

In Sachen Management und Artist Development läuft der Hase noch komplett anders, da man dort oft jahrelang mit Aufbauarbeit und Investitionen konfrontiert ist, wo es oft kaum bis spärliche Einnahmequellen geben kann und man erstmal diese oft extremen Durstrecken überleben muss, und es keine wie auch immer geartete Garantie gibt, dass die Geschichte dann auch wirklich aufgeht, was von unglaublich vielen Faktoren abhängt die man oft nur bedingt bis gar nicht beeinflussen kann. Also: good luck with that ! cheers, der aX

Konzerttermine November;

Freitag 10.11. 19:00 Live Recording Session unserer Band Café Drechsler im Supersense  the.supersense.com/products/cafe-drechsler-recording-session-10-november-2017

Sonntag 19.11. 19:30 Café Drechsler Konzert im MUTH / Wien  www.facebook.com/events/622333964821999/

 

#7 Kultur fördern brauch ma ned oder die Kunst, uns den Marsch zu blasen

Bevor wir einen Gutteil unseres in Österreich reichlichst vorhandenen musikalischen und künstlerischen, hoch ambitionierten Talents entweder in den virtuellen Musikantenstadl, die Starnacht in der Weichei oder entgültig ins Ausland verjagen, geschweige denn sie der Obhut einer extrem rechtsorientierten Regierung ala Polen oder Ungarn zu überlassen, wo eine OpernballorganisatorIn als heisse Kulturexpertin und (hoffentlich bitte nicht) mögliche Kulturministerin im Rennen ist, sollten wir als die Nummer 1 Verhinderer- und Vernaderernation einer höchstentwickelten Neidkultur und des inzwischen meinungsbildenden Lumpenproletariats mit den dazugehörigen Sprachröhren „Österreich“ und „Heute“ Gratis Schmierblättern wirklich in uns gehen und uns an der stetig rümpfenden Nase nehmen um uns zu erlauben, ein paar nicht ganz unwesentliche Gedanken dazu auf unseren Kleinhirnrinden zergehen zu lassen.

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„Buntfink“

Wir lange wollen wir denn noch „Mozarts Balls“, Falco’s Erben, Andreas Klavatier oder von mir aus, ach wie hip und wahnsinnig aktuell, zum millionstenmal Bilderbruch und unser blaues „Wunda“ bemühen und immer wieder als den Top musikalischen Export bis zum Sankt Nimmerleinstag „verwursten“, als gäbe es tatsächlich nichts und niemand anderes. Als ginge es darum sämtliches andere existente mindestens genau so potente musikalische Potential weiterhin erfolgreich zu verleugnen bzw. „unten“ zu halten (wo auch immer „oben“ im österreichischen Musikbizz sein soll) ? Wie lange wollen wir uns denn noch mit Medien Almosen und heissen Tropfen auf richtig heisse Steine als Pseudo Lösungen zufrieden geben ? Wie lange will man den , und bitte versteht mich nicht wieder mal falsch, zwar extrem notwendigen sowie wichtigen aber eben typisch österreichisch kleinprovinzler Denke mässig chronisch unterdotierten Musikfonds, noch weiter in diesem für fast alles so symptomatischen Status festketten: „Zu wenig zum Leben, und gerade ums Arschlecken zuviel zum Sterben aber reichlich um demütig, dankbar und katholisch vor sich hin zu Leiden“

Inzwischen weiss doch jedes musikalische Kind dieser Nation, dass selbst unter den optimalsten gegebenen Umständen in diesem Lande mit Musik in einer gewissen Qualität und mit einem gewissen Anspruch die Butter aufs Brot, geschweige denn die Miete, sich sicher „nicht“ verdienen lässt. Dazu Nvie Motho, der das Musikgeschäft in Deutschland als Produzent sehr gut kennt: „In Österreich machen alle, was sie wollen, weil es um nix geht.“ wie traurig und no future mässig ist das denn? auch wenn im Soge dessen dann ganz frei von irgendwelchen erfolgsmässigen Erwartungen oder Karriere Ambitionen sehr eigenbrötlerisch am sogenannten „eigenen sound“ gearbeitet wird, zmindest von denen , die sich das „leisten“ können!!! was im höchsten Fall für Airplay auf FM4 reicht und für 2 – 3 unterdotierte Club – oder Festival Gigs inclusive katastrophaler AKM Abrechnungen im bestenfalls 2stelligen Bereich oder besser gesagt: Be – arm, wo man zuerst ja immer wieder und in vielen Fällen so gut wie ewig „investieren“ muss um am Ende dann doch nichts existentiell Basis Notwendigstes davon zu haben ???

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Auch wenn warum? keine göttliche Frage ist lassen sich vielleicht doch auch ein paar sehr weltliche Antworten finden. Ja, ich weiss, mein Thema: BILDUNG – aber,  like it or not, es hängt natürlich unter anderem AUCH damit zusammen. Das wissen inzwischen ALLE, auch die , die aus welchen Gründen immer noch so tun, als wüssten sie es nicht und meinen , dass man mit sogenannten „Reinschnupperseminaren“ und ähnlichen Angeboten den jungen heimischen Kreativen inzwischen tatsächlich Grossartiges zu bieten glaubt oder die auf was weiss ich was warten. Weil halt alles „noch zu früh“ ist oder es hierzulande eben „nicht so schnell“ bis meistens „gar nicht geht“, obwohl ja ALLE schon seit Jahrzehnten ohnedies über diese notwendigsten Veränderungen reden, wobei es dabei leider meistens bleibt. Genauso wie, als ich 1995 nach 8 auswärtigen, sehr lehrreichen musikalischen Jahren in den USA aus familiären Gründen nach Österreich zurückgekommen bin, man seit damals ehrfürchtigst über die Musikmusterländer Schweden und Co berichtet, ohne auch nur im Ansatz daranzugehen, in der TAT etwas von deren tollen Ideen zu übernehmen. NEIN – wir müssen zuerst mal jahrzehntelang REDEN um dann im Zuge der ganzen Gackerei die Hühner vor dem Eierlegen mit Genugtuung und einer gewissen Schadensfreude, dass die das eben auch „nicht so einfach geschafft“ haben, zu schlachten, weil, ja warum denn? Weil es hierzulande einfach nicht sooooo einfach ist und geht wie es eigentlich in Wahrheit ist und gehen könnte. Schlicht, der Wille fehlt und die Schadensfreude am Scheitern der anderen ist immer noch ungleich grösser als anzupacken und etwas wirklich nachhaltig auf die Beine zu stellen. So richtig Zum Kotzen – eigentlich.

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Da hapert’s dann trotz vorbildlicher Bemühungen und Arbeit eines MICA zum Beispiel und ähnlichen Institutionen an allen Ecken und Enden. Da fehlen schlicht und einfach wirkliche Praxisnähe und Ausbildung, sowohl nachhaltig und hands on als auch auf der Höhe der tatsächlichen Realitäten unserer Zeit inklusive den dazugehörenden Netzwerken, die für junge Künstler mindestens genauso wichtig sind, egal aus welcher „Sparte“ oder „Kiste“ sie kommen mögen oder eben reingesteckt werden.

Parallel dazu gibt es inzwischen jährlich internationale Riesenerfolge der heimischen Film Industrie, ja: „die gibt es tatsächlich“ und die blüht so dick und fett vor sich hin, wovon Musiker hierzulande nur in ihren wildesten Träumen zu hoffen wagen. Weil sich da ein paar wesentliche Stellen und Entscheidungsträger tatsächlich ein Herz genommen haben um das einzig Richtige zu tun: über Jahre dort in Sachen Förderungen jeglicher Art vergleichsweise richtig Geld reinzubuttern. Und wie man sieht, mit Recht und bestem Grund. Davon sind wir Musiker leider immer noch meilenweit entfernt, und bis es da irgendwann so weit sein könnte, es einen dringendst notwendigen Schulterschluss aller notwendigen und wesentlichen Institutionen und auch der Politik jenseits aller Befindlichkeiten in der Sache geben wird, worum wir uns seit Jahren auch mit unserem ambitionierten Projekt „United Music Angels Network“ tagtäglich bemühen, muss man halt leider, leider seinen Arsch weiterhin über den Weisswurscht Äquator rausbewegen , was ja grundsätzlich nie eine schlechte Idee gewesen ist, die heimische kreative Wertschöpfung weiterhin konsequent ins Ausland verlagern, dafür tonnenweise internationalen akkustischen Schrott   importieren und uns eben mit ein paar Mozarts Balls weit jenseits eines gültigen und gesundheitsgefährdeten Ablaufdatums zufrieden geben.

photo © Max Parovsky
photo © Max Parovsky

 

cheers, der aX

 

#6 Ritam – rhythm – Synchronicity

Wir kennen das doch alle, nicht nur MusikerInnen – man ist gestolpert, gestrauchelt, man läuft irgendetwas nach oder es läuft nicht ganz rund, man hechelt einer Geschichte oder einem Menschen hinterher, man ist nicht ganz entspannt, man ist irgendwie „out of synch“ oder auf gut Deutsch: neben der Spur, man hat seinen Rhythmus noch nicht ganz gefunden , Herzrasen, man kommt nur schleppend voran, Jetlag, man kommt nicht richtig in die Gänge, entweder „atemlos durch die Nacht“ oder es bewegt sich schlicht und einfach absolut nichts: Stillstand – stillness – auch wunderbar und essentiell. Alles hat doch irgendwie , im Weitesten irgendetwas mit Rhythmus zu tun oder mit dem, was wir als „unseren eigenen“ persönlichen Rhythmus empfinden oder definieren.

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Friedens Flasmob diesen Sommer im Hof des Museumsquartiers mit ein paar Klassen eines Gymnasiums aus NÖ, featuring ua. Harri Stojka und unseren Herrn Bundespräsidenten

Laut Wikipedia stammt die Definition des Rhythmus als „Dauernfolge“ von Aristoxenos, der als Erster eine Theorie des Rhythmus schrieb. Er beschränkte die Dauer nicht auf die Tondauer, sondern bezog auch dieSprachebene im Gesang und die Körperbewegung im Tanz mit ein, die in der Musik oft vereinigt sind. Pausen im Sinn von leeren Dauern führten erst spätantike Rhythmiker in die Theorie ein, etwa Augustinus. Ein Polyrhythmus ist eine Schichtung von Rhythmen von gleicher Gesamtdauer; er erlaubt die Darstellung komplexer musikalischer Zeitstrukturen im allgemeineren Sinn des Rhythmus. Polyrhythmik ist unter anderem in der afrikanischen und indischen Musik verbreitet.

 

Für den indischen Ayurveda Arzt und einen meiner spirituellen Lehrmeister, Deepak Chopra etwa ist eines der wesentlichsten indischen Sutras das Sutra „Ritam“ was soviel heisst wie Rhythmus bzw. Synchronizität. Damit bezeichnete der Psychologe C.G. Jung zeitlich korrelierende Ereignisse, die nicht über eine Kausalbeziehung verknüpft sind, jedoch als miteinander „verbunden“, aufeinander bezogen wahrgenommen und gedeutet werden.  soviel zur Theorie.

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Ich liebe , lebe und atme Rhythmus seit ich denken und fühlen kann. etwas genauer betrachtet ist auch tatsächlich buchstäblich so gut wie alles Rhythmus und alles, jede, jedes und jeder hat ihren und seinen ureigenen Rhythmus: Tag und Nacht, die Jahreszeiten, Umlaufbahnen und deren Synchronisierung, die Jahreszeiten, der Herzschlag, der Puls, Ein- und Aus Atmen, gehen, stehen, ruhen, laufen, das Leben von der Geburt bis zum Tod, die Natur, das Meer, Ebbe und Flut, wachen, schlafen, träumen, schaffen und rasten, tun und ruhen, Samba, Soca, Polka, Walzer, Swing, Funk, Jodler, Rock, Salsa, Merengue, Tango, Menuett, Jive, Boogie Woogie, Ragas und Talas, Reggae, Sufi Tänze, Flamenco, Wiegenlieder, Techno, HipHop, Voodoo und, und, und…..

und alles hat auch dazu ihren und seinen eigenen dance, „cause rhythm makes you move“ – da ist oder kommt „etwas“ in Bewegung. Rhythmus und Tanzen sind schlicht und einfach ein wunderbares, lebendiges, leidenschaftliches Liebespaar, quer durch alle Stämme dieser Erde, da pulsiert das Leben durch alle Arterien, Venen und Kanülen so gut wie aller lebendigen Körper, egal ob Pflanze, Tier, Mensch oder Stein, die wunderbaren Tänze der Planeten, Monde und Sterne quer durch sämtliche Galaxien und Milchstrassen unseres Universums.

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ein paar wichtige Konzert Termine diese kommende Woche, wo ich die Ehre habe mit Harri Stojka in verschiedenen Formationen inklusive dem legendären India Xpress zu Harri’s 60th Birthday Tour mit am Start sein zu dürfen:
kommenden Montag, 23.10. Generalmusikdirektion Graz ( leider schon ausverkauft)
Dienstag 24.10. Kremsmünster
Donnerstag 26.10. Treibhaus in Innsbruck
und am Samstag , 28.10. im grossen Saal des Konzerthauses in Wien.
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here are some of the high speed India Express guys 😉
würde mich sehr freuen, wenn wir uns beim einen oder anderen Konzert sehen würden.
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ich wünsch euch , dass jede und jeder ihren bzw. seinen Rhythmus findet und ihr den Tanz des Lebens mit Freude spielerisch tanzen und geniessen könnt.
so, let,s move and shake our asses til next time and each and every time,
der aX

 

 

#5 Theorie + Praxis

glaubt mir, ihr müsst sicher nicht wie ich selbst in den letzten 40 Jahren im professionellen Musiker-, Producer-, Artist Developer und Managerleben selbst x mal mit dem Schädel gegen oder durch die Wand. Ihr müsst auch nicht unbedingt all diese zum Teil schmerzvollen Erfahrungen und Erkenntnisse ausschliesslich selbst machen, nein – dafür gibt es Leute wie mich, die gerne ihre Erfahrungen, ihr Know How und ihre Netzwerke mit euch teilen, dafür gibt es http://www.pimpmyband.live und genau deshalb arbeiten wir seit geraumer Zeit an einem Bildungsprojekt namens United Music Angels Network.

Ich hatte nie jemanden um mich, der zum einen kompetent und erfahren genug gewesen wäre, und zum anderen auch interessiert genug, sein oder ihr eigenes Wissen und Know How weiterzugeben, mir als jungen Draufgänger mit all meinen Talenten zu helfen und mich behutsam in die richtigen und gesunden Bahnen zu lenken, mir Türen und Fenster zu öffnen, wo ich nur Mauern und Wände sah. jemand , der mir auf Grund seiner Erfahrung hätte sagen können, wo ganz klar meine Stärken, Chancen und Möglichkeiten , besonders auch in mir selbst, zu finden sind und wie ich diese mir zu nutze machen hätte können. Üben, üben ,üben allein ist eine gute künstlerische Basis aber mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss mit dem man junge KünstlerInnen, Bands und MusikerInnen in die freie Wildbahn entlassen sollte.

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Praxis – hands on. Wer zeigt dir / deiner / eurer Band wie ihr unter anderem zumBeispiel am optimalsten eine Setliste für einen tollen Spannungsbogen einer gelungenen Performance zusammenstellt. Wer spricht mit dir über die innere und äussere Choreographie einer Performance, Auftritt / Appearance on Stage, die wertvollste und wichtigste Zeit zwischen den Songs / der Musik, Kommunikation mit dem Publikum und der Band, Stage Set Up und, und, und….

Music Production, Studio Set Up, Wie Aufnehmen, Wie kannst du „magic“ im Studio einfangen, Songwriting, Wie wird aus einem guten Song mit kompetenter Hilfe ein Killer Song ? Stimme: Wo suchst du und wie findest du deine eigene, unverwechselbare Stimme – auch am Instrument. Die Quintessenz jeder kreativen und künstlerischen Arbeit. Für all diese Themen seid ihr hier goldrichtig!

551781_10151188527763055_1126170100_n.jpg photo: Chris Rodriguez, Basser extraordinaire von Revolverheld

Was braucht es von dir als FrontFrau / Frontman ? was als Bandmember? Wie bringst du dich ein? Wer oder was wird „erwartet“? Who get,s them fucking Gigs? Das Loslösen von den „Vor – Bildern“, eigene Bilder entwickeln und zulassen. Selbst – Sicherheit, Präsenz, Being 100% im Hier & Now. Energie !!!

Und speziell in Entwicklung für unser ambitioniertes Bildungsprojekt „United Music Angels Network“ mit vollem Fokus auf Praxis und „guided learning by doing“ – Infos aus erster Hand: Wo sonst kannst du an einem internen Label mitarbeiten, vom Produktionsprozess, A&R Arbeit (Artist & Repertoire), Covergestaltung, Presswerk, Vertrieb (analog & digital), Videoproduktion, Fotoshootings, Promotion, Guerilla Marketing unter Einbeziehung nationaler und internationaler Netzwerke, Medien, Radio & Airplay und den ganzen Prozess von A bis Z mitgestalten und mitverfolgen ?

Wo sonst kannst du lernen und üben Tourneen zu buchen, die passenden und richtigen Venues für diverse Bands und KünstlerInnen zu finden ? Wie kommt ihr an diverse Festivals ran? Mit welchen KünstlerInnen, Bands, Produzenten, Soundengineers, Studios, Festivals, Clubs, Venues, Songwritern, Vocal Coaches, Instrumentalisten, Road Proven Band Members + Hired Guns, Artist- und Road Managern, Promotern, Booking Agenten und, und, und…. wolltest Du schon immer arbeiten? Wo sonst als im United Music Angels Network. Stay tuned, euer aX

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photo © RedBull

#4 musik, kreativität, attitude, spirit

wo wohnt in der Kunst im Allgemeinen und in der Musik im Speziellen denn eigentlich Kreativität, der sogenannte „Spirit“ oder ist ohnedies alles nur eine Frage von Attitude, Show, Schein Versus Sein, Marketing Tussen & Promotion Heinzis, Frechheit & Scheiss Dir Nix ?

Nach einer Umfrage gibt es unter Teenagern nichts Begehrenswerteres als „berühmt“ zu werden oder zu sein. Und das gut, leicht und lecker um mehr oder weniger jeden Preis. Wo es auch reichen würde, ein einziges mal und sehr wahrscheinlich zugleich das letzte Mal im Leben vom Donauturm zu springen um es zumindest auf die Titelseiten der Österreich Zeitung oder der Krone zu schaffen da tun es bei vielen oft auch diverse, meist grässlichste und menschenverachtende sowie vollkommen talentbefreite Casting Shows jenseits irgendwelcher grossartiger skills. da zählen oft einzig und allein Quote und am Besten tiefste Emotion, wo dann am Ende die einzigen Gewinner meistens nur die diversen perversen TV Shows, deren Eigentümer und Macher sind, alles andere verschlingt in no time der Mantel des Vergessens. Und jeder junge an sich glaubende und an sich arbeitende junge Mensch, noch schlimmer, wenn es sich dabei tatsächlich um auf „Entdeckt werden“ hoffende junge KünstlerInnen und Bands handelt, sind da am Ende des Tages arme benutze Schweine und verbrannte Talente, die einem eigentlich aus vollem Herzen wirklich nur sehr leid tun können.

Künstler wie Yung Hurn zeigen natürlich sehr eindrucksvoll dass quasi mit Mega Attutude allein eigentlich auch mega Karriere zu machen ist. Cro hingegen, der eigentlich aus der Werbebranche und vom Marketing kommt hat auch bewiesen, dass die skills aus diesen Bereichen inklusive der Maske des Geheimnisvollen und der Anonymität zumindest für einen sehr gelungenen Karriere Start sicher nicht schaden konnten. Da gibt es ohne Zweifel viele unzählige nationale wie internationale Beispiele und Fallstudien dafür, dass die richtige oder besser gesagt, möglichst skurile und kräftige Attitude, kreatives sowie schräges Marketing , fette Egos und ebenso fette Sponsoring Budgets oder Markenkooperationen sicher einiges bewirken können.

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Nach über 40 Jahren als professioneller internationaler Musiker, Musikproduzent, Artist Developer und Mensch gewordener Künstler im Musikschaffen und im Haifischtank des Musikbizzz kann ich all dem mit der nötigen Portion Humor da und dort ja noch einiges abgewinnen, aber in Wahrheit gehen mir diese ganzen aufgeblasenen Egos, Strategen, narzistischen Wunderkinder , Selbstdarsteller und Wichtigtuer , für die der Walden Pond der Kunst- und Musikszene seit eh und je ein idealer Aufenthaltsort und Tummelplatz war und ist, vollkommen am Arsch vorbei. Alleine die Behauptung, dass „man selbst“ ja jetzt so furchtbar und unfassbar kreativ sei, unglaublich geniales geschaffen hätte, ja dass man tatsächlich sich und das ewig unterschätzt geglaubte eigene Genie quasi als Eigentümer der geschaffenen Kunst, Musik, welchen Werkes auch immer glaubt zu sein, sieht und fühlt,   diese ganze Fachtrottelei, Wichtigmacherei und Überhöhung der eigenen Bedeutsamkeit kann ja in Wahrheit und in Anbetracht von Wahrhaftigkeit nur ein riesengrosser wie künstlerisch fataler Irrtum sein. Irgendjemand sehr weiser hat einmal gesagt. „Don’t believe your own hype“ – ja, da steckt sehr viel Wahres und Weises in diesem Satz.

Wie schon vorher einmal an anderer Stelle bemerkt , waren und sind alle wirklich grossen und grossartigen Künstler und Kreativen, von denen ich die riesen Ehre hatte eine relativ beachtliche Schar selbst und persönlich kennen lernen zu dürfen, allesamt im Grunde ihres Wesens zumeist extrem bescheidene, nicht selten auch unsichere, oft liebenswerte und gut geerdete, ja sogar erschreckend simpel und schlicht gestrickte wenn auch zuweilen nach aussen hin mega crazy und „ver – rückte“ Individuen, die allesamt zum einen sehr gut in touch mit der Wurzel ihres Seins in Einklang sind und erkannt zu haben scheinen, dass am Ende nicht sie selbst das Wunder und die Magie der durch die Kunst entstandenen und spürbare Grossartigkeit für sich selbst zu verbuchen hatten, sondern dass der Spirit der Kreativität diese wunderbaren und berührenden Werke sich nur durch sie buchstäblich manifestiert und realisiert und spür-, hör-, bestaun-, seh-, les-, fühl- und greifbar gemacht hatte und immer wieder macht und machen wird.

Dass all dies ein höchst spiritueller Akt und Prozess ist, der in seiner Vollendung und Sinnhaftigkeit nur dann wirklich geschehen und funktionieren kann, je weniger diesem Prozess diverse Egos, Eigeninteressen und Wichtigmachereien im Wege stehen, in einer Atmosphäre und einem Urvertrauen, wo man nichts bestimmtes „will“ oder muss, niemanden, sich selbst eingeschlossen, etwas „beweisen muss“ sondern sich nur der reinen Freude der Manifestation, dem Sein und dem Schaffungsprozesses hinzugeben braucht ohne sekundäre zu erreichende Ziele oder Feedbacks zu verfolgen.

Vorausgesetzt natürlich, dass man vorher seine 10 000 Stunden sein Instrument oder eben die Stimme „geübt“ hat, damit Inspiration, Kreativität, Energie und Spirit ungehindert und frei fliessen und sein können 😉

Da geht,s und gings in Wahrheit immer lang, und alles andere, wo alleine Egos und Attitudes das Geschehen bestimmen und beherrschen,  ist mit Sicherheit etwas vollkommen anderes. peace , euer aX

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#3 Tanzmusik – let’s dance

Also jetzt mal ganz provokant und frech, wie es nun mal so meine Art ist: „gute“ Musik fährt Dir entweder in den Arsch und in die Beine oder bewegt dein Herz und Deine Seele oder Beides, aber unterm Strich bewegt sich „was“ – es bewegt sich immer etwas wenn die Wellen und Frequenzen von Musik auf einen treffen, dem kann sich niemand wirklich entziehen, musikalisch oder unmusikalisch, selbst taub oder nicht. Das ist inzwischen wirklich in vielen Studien selbst für die grössten Zweifler unter euch wissenschaftlich hinreichend erforscht und erwiesen.

Musik bewegt: Herzen, Ärsche, Gehirnströme, Atome, Menschen, Tiere, Pflanzen ja, selbst Planeten gleichermassen, Gemüter, Neuronen, Quanten, Tanten, Omis & Opis, Babies, geboren oder ungeboren, den Kreislauf, Gedanken, Ringelspiele, Maiaufmärsche, Ballett, Menuett, Polka, Boogie Woogie, Salsa und Walzer, Soka und Reggae, Tango, BBoyz, Primadonnen und Königinnen der Nacht, Gangster, Priester, Schüler, Lehrer, Mama, Papa, Kind, HipHop, Quick Step, Break Beat, Techno, Strawinsky, Mozart, Falco, die Stubmmusi, David Guetta, Derwische, Medizinmänner, Schamanen, Trommelweiber – Bewegung und Tanz, ein Ausdruck unseres Lebens, unserer Lebendigkeit, unserer Spiritualität, unseres „Mensch seins“, unserer Lebensfreude, unserer Urkraft, unserer Verbundenheit jenseits aller zumeist selbst geschaffenen Mauern, Wände, Zäune und Ängste.

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man müsste demnach also eigentlich auch annehmen, dass Musik und Tanzen bzw. Bewegen und Bewegung so etwas wie eine untrennbare Einheit darstellen, ein „match made in heaven“ quasi, wenn da nicht unter anderem die österreichische Urheberrechts Organisation AKM wäre, die seit gefühlten Ewigkeiten Musik in E (ernste) Musik und in U (Unterhaltungs) Musik einteilen würde, was soviel bedeutet und heisst wie: ein E-Musik Komponist ist Tantiemen anteilsmässig wesentlich höher eingestuft als ein U-Musik Komponist, was den aus meiner Sicht nach wie vor extrem anmassenden Trugschluss nahelegt: Tanzmusik ist qualitativ grundsätzlich einmal minderwertig. Bam! Und die wahre für mich vollkommen unglaublichste Tragödie ist: dagegen stemmt und wehrt sich bis zum heutigen Tage nicht wirklich jemand, Nein, und damit nicht genug: So wird das auch noch oft in unseren westlichen Musikschulen, Universitäten und Konservatorien gelehrt und unter – richtet.

Das erklärt natürlich sofort einiges: mein lieber Freund, Bassist und Bandkollege Oliver Steger der Jam Band „CAFÉ DRECHSLER“ , http://www.cafedrechslerband.com , mit dem zusammen ich für Tausende tanzende Ärsche weltweit nicht nur in dieser Band primär verantwortlich zeichne, hat sich kürzlich zusammen mit mir in einem Gespräch extrem gewundert, warum es nicht viel mehr derartige Bands, besonders auch von jungen Musikern gibt, die sich zu einem guten Teil einer improvisierten Tanzmusik hingeben und widmen.  Dazu möchte ich noch kurz erklären, was denn überhaupt eine sogenannte „Jam Band“ ist: das ist eine Band die vollkommen frei improvisierend Musik macht, ohne Noten, ohne Absprachen oder Anweisungen vorab oder während des Musizierens, also „Musik gnadenlos und ausschliesslich im Hier und Jetzt“ – und in unserem Fall eben oft „Musik zum Tanzen“.

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unser bescheidenes Resumé: anscheinend bekommt an den meisten dieser Schulen und Einrichtungen Musik, sobald man sich primär um Stimmungen und den Transport bestimmter stimmiger Gefühle widmet, oder noch wesentlich schlimmer, sobald sie tanzbar wird und ist, etwas Verdächtiges, Anrüchiges. Da geht die gesunde , archaisch urtümliche, meinetwegen spirituelle und die akademische Schere sofort weit auseinander. Dort geht es anscheinend eher um den „ewig loosing battle“ von jeder Art von sogenannter technischer „Perfektion“ , the more complicated and brainy the better. Und weil man sich dann ja in diesem Dunstkreis permanent bewegt und zuerst einmal sich selbst, die Kollegen und ehrenwerten Professoren beeindrucken will, merkt man diese nicht immer gesunde Dynamik erst mal gar nicht, sondern sie wird eben tagtäglich gefüttert und gepflegt. Das Aufwachen kommt dann erst vor dem Schultor viel, viel später. Da fragen sich dann viele studierte Musiker, warum in vielen erfolgreichen Bands „nicht studierte“ Sänger, Bassisten, Gitarristen und Drummer, also MeisterInnen des Gesangs und des Wortes sowie Instrumentalisten gefragt und oft am erfolgreichsten sind ? Nun, das erklärt sich damit eigentlich von selbst. Weil es eben noch andere Arten von „Perfektion“ und skills gibt, skills und know how. welches tatsächlich „be – rührt“ und eben „bewegt“.

My vote: Let,s dance, scheissts euch nix, und wenn der Opa heult, die Oma und die Kindergarten Kids zu eurem sound shaken, habt ihr wirklich etwas ganz, ganz Wunderbares vollkommen richtig gemacht.

cheers, euer aX

#2 die Magie der Pause und der Stille

Es scheint, als würden wir mit einem konstanten Strom von Wahrnehmungen, einer Flut von immer lauteren und mitunter noch weit gefährlicheren scheinbar „leisen“ Inhalten, Inputs aller Art, Reizen, Daten und Geschehnissen permanent konfrontiert werden, als gäbe es ein klares Interesse auch nur den Ansatz von Stille – stillness – von uns so gut und lückenlos wie möglich fern zu halten. Ja, selbst in der Musik sind Kompositionen und Konzerte gleichermassen immer mehr und mehr ein steter, konstanter Strom von sound, wo man jede sich bietende Lücke akribisch „zu nutzen“ scheint, um noch schnell etwas ganz Tolles, Wesentliches, künstlerisch extrem Wertvolles und besonders Gefinkeltes reinzupressen. Was dabei immer mehr in Vergessenheit geraten und aus dem Bewusstsein verdrängt worden ist ist der Umstand, dass das meist Wunderbarste und die mit Abstand unschlagbarste sowie beste Alternative in buchstäblich jeder Situation ein Innehalten, eine Pause, kurz: Stille ist.

Einer der von mir sehr geschätzten spirituellen Lehrmeister , Eckhart Tolle, meinte dazu in Sachen Meditationsmusik, dass eigentlich die perfekte Musik dafür die traditionelle Musik der japanischen Shakuhachi Flöte sei, da diese sich meist zwischen Melodiebögen , sound und eben „Pausen“ und Stille hin und her bewegt, und hier man erst eine Chance bekommt, diese akustische Lücke im steten Strom unserer Aufmerksamkeit wirklich bewusst zu spüren und wahrzunehmen. Aber seit diese Musik von gut ausgebildeten und ambitionierten, zumeist jungen Musikern produziert wird, alles mehr oder weniger zu einem  einzigen „stream of sound“ geworden ist, ohne Pausen, ohne Innehalten und so gut wie ohne Stille.

Es gibt dazu auch eine empirische Untersuchung, dass jene Fussballer, die bei einem alles entscheidenden Elfmeterschiessen am Ende eines bis dahin unentschiedenen Matches nach dem Freigabe Pfiff des Schiedsrichters sofort drauf losschiessen eine ungleich miserablere Trefferquote haben als jene Spieler, die nach dem Pfiff kurz inne halten, in sich gehen, ein paar Sekunden Stille zulassen und erst dann schiessen.

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Meinen Musikstudenten , KünstlerInnen und Bands, mit denen ich arbeite, versuche ich auch immer in ihr Bewusstsein zu bringen, dass jeder Ton nicht nur an einem bestimmten Punkt beginnt, sondern eben auch , was für den musikalischen und extrem spannenden sowie spirituellen Gehalt jedes Musizierens oft noch von weitaus wesentlicher Bedeutung ist, an einem von mir oder dem Komponisten oder uns beiden bestimmten Punkt „aufhört“. Und dass da dann besonders dieser gap, dieser space, dieser Platz der Stille auch genauso wichtig und von immenser Bedeutung ist wie die Länge eines Tones, die eben von einem Anfang UND einem Ende bestimmt wird und ist. Erst dieser Space, diese Fraktion der Stille ergibt zusammen mit dem Punkt, an dem man einem Ton ein bewusstes Ende setzt die sogenannte „Phrasierung“ , die akustische Identität eines jeden Stammes und Volkes auf diesem Planeten, noch klarer und unverwechselbarer als die jeweilige Sprache es je sein könnte. Das reicht vom leichten „Verziehen“ und „Verschlenzen“ des Wiener Walzers bis zu den für westliche Ohren und Herzen oft ungerade, monotone Rhythmen afrikanischer Stämme, das aufpeitschende Treiben kubanischer Tänze, die Tiefe mongolischer Gesänge bis hin zum  Atmen der japanischen Shakuhachi Flöte.

Das heisst, „der Ton, der angeblich die Musik macht“ bekommt erst durch die Magie der Pause, durch diese Lücke und durch dieses Fragment der Stille sein wahres Gewicht und seine eigentliche Bestimmung und Identität.

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Die unglaubliche Naturgewalt, Kraft und Power von Stille wird mir als mehr als 4 Jahrzehnte praktizierender Konzertmusiker auch immer wieder gewahr und bewusst, wenn es konzertante Situationen gibt, wo vor Minuten noch die Menge lautstark getobt hat und man sich und das Publikum inzwischen behutsam in einen Bereich begleitet hat, „wo man buchstäblich eine Stecknadel fallen gehört hätte“.

Diese Gesetzmässigkeit lässt sich durchaus auch mühelos auf nahezu alle Lebenslagen und Situationen wie die Natur im Allgemeinen , sowie die Natur des Menschen im Besonderen übertragen. Wie sind schlicht und einfach nicht dafür konzipiert und erschaffen, unter Dauer – Input Bombardement zu stehen. Das macht auf Dauer krank, bringt uns immer weiter von unserem wahrhaftigen Kern und der Essenz sowie dem Sinn unserer Existenz, dem schlichten „Sein“ viel zu weit weg, schafft Abhängigkeiten, macht „süchtig“, depressiv, fördert unseren Konsumzwang und Kaufrausch um die kläglich vermisste Lücke mit Waren aller Art, Drogen, Dramen, Panikattacken und leeren Versprechungen zu schliessen –  weil es eben nicht unserer Natur entspricht und weil es uns nicht die Lücke einer Chance mehr gibt, die Magie der Stille und das tatsächlich einzige sowie ewige Geschenk des Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen, zu erkennen und zu spüren. denn am Nächsten an dem, wer wir wirklich und wahrhaftig sind, sind  wir in dieser Lücke, in der Pause – in der Stille.

pssssssssst…..  😉 euer aX

#1 macht der gute Ton die Musik?

mein erster Blogeintrag – how exciting is that?????

ich durfte schon an vielen sogenannten „Schulen“ – internationalen Colleges, nationalen Konservatorien, Musikhochschulen und Universitäten unter-richten – meistens Schlagzeug, mein absolutes Lieblings- und Hauptinstrument, aber auch A&R Management und Artist Development sowie – und das machte mir eigentlich den grössten Spass – Vorlesungen in Sachen „Stage Performance“ und mein klarer Favorit: „Creative Identity“, wo ich versucht habe, eine Schar von Musik Studierenden und teils Verirrenden auf einen gemeinsamen Pfad zu ihrem grössten Schatz zu führen: zu sich selbst.

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An allen mir sowohl als Lehrer als auch als Studierender und Lernender bekannten Schulen kam der grösste Input  in den meisten Fällen von aussen – da gab es plötzlich entweder „richtig“ oder „falsch“, „Vor – Bilder“ und „Nach – macher“, „Idole und Ideale“, da gab es „Benotung“ und Fehler“ und im Handgepäck frei haus mitgeliefert zugleich die Angst vor Beidem. Da galt es sich skills anzueignen, im besten Sinne täglich stundenlang sein heiliges „Instrument“ zu lernen, zu üben und das über eine jahrelange Aus – Bildung, mit Prüfungen. Bewertungen und Beurteilungen. Gut, Und dann ? wenn man alles „richtig“ gelernt und gemacht hat und einen vorzüglichen Abschluss hingelegt hat – was dann ??? Hat man sich bis dahin eigentlich irgendwann einmal überlegt, für wen und warum man eigentlich Musik macht / spielt ?

Glaubt man bis dahin tatsächlich, dass Musik so etwas wie ein Supermarkt der skills ist und man heute auf Latin, morgen auf Rock und übermorgen einen auf HipHop macht ??? oder geht es da tatsächlich mehr oder weniger ausschliesslich um Perfektionismus, den schönen und richtigen TON oder muss man im weiteren Musikerleben eigentlich tatsächlich nicht mehr seine alten Lehrer und die akademisch ge – bildete Kollegenschaft begeistern, die Deine CDs und Alben, analog oder digital, geschenkt bekommen wollen –  sondern vielleicht einfach tatsächlich ganz normale, Musik liebende Menschen, die sich noch Konzerttickets kaufen – so etwas wie „berühren“ ???

In vielen Diskussionen , unter anderem mit  internationalen Trommelkollegen wie meinem lieben Freund Jojo Mayer back from the dayz in NYC  haben wir beide wiederholt festgestellt, dass wir inzwischen junge MusikerInnen für Situationen und Realitäten ausbilden, die es in den meisten Fällen so gar nicht mehr gibt?

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Vielleicht ist ja der perfekte TON gar nicht wirklich in der Lage zu „berühren“, vielleicht ist alles richtig und „perfekt“ gesungen schlicht und einfach nur fad, weil ohnehin in Massenware tagtäglich auf allen mainstream Kanälen vor – handen, und erst bei weniger perfekten aber emotional und spirituell hochwertigen Darbietungen, wo eine Stimme die Chance hat aus einer Emotion heraus zu brechen, erst emotionale „Be – Rührung“ möglich ist, an einem Punkt und an einer Ecke, wo alle alten Lehrer und meist inzwischen selbst unterrichtenden, also lehrenden Ex Kollegen spätestens die Nase rümpfen? Wo und wie lernt man das – „berühren“, „begeistern“ – Räume in Energie zu tauchen und Herzen, Seelen & Ärsche zu bewegen ??? Liegt tatsächlich an dieser Bruchstelle zum angestrebten und akademisch vergötterten Perfektionismus das Wunder der Magie ?

http://www.pimpmyband.live ist ein Versuch mit Musikern besonders auch in diese Richtung zu gehen, Mut zu machen, Mut zum Fehler machen, zum Finden einer eigenen, wenn auch möglicherweise vollkommen unkonventionellen Stimme , als Artist, als KünstlerIn, als Band – authentisch – also „unverwechselbar“ zu sein, und mal nach innen zu hören und mal auf aussen zu scheissen. Einen Weg gemeinsam mit euch zu euch zu finden, spirituell, mit skills, know how, feeling, guidelines, Kreativität und Inspiration auf einem Weg „to make music & magic happen“.

cheers, der aX